Ein Jahrzehnt verrückter Simulationen
Vor genau zehn Jahren, 2016, gründeten Ben Hymers, Mark Webley und Gary Carr die Two Point Studios. Ihr Ziel: halbwegs verrückte Management-Simulationen, die sich selbst nicht ganz ernst nehmen, ganz im Stil der Bullfrog-Klassiker wie Theme Hospital.
Das Studio startete mit elf Mitarbeitern in einem ehemaligen Lagerhaus in Farnham, England. Der erste Prototyp war ein simples Krankenhaus-Simulator auf Unity-Basis. Sega sicherte sich die Publishing-Rechte und veröffentlichte Two Point Hospital im August 2018 für PC. Bis 2023 folgten Ports für Nintendo Switch, PlayStation 4, Xbox One und mobile Geräte.
Two Point Hospital verkaufte sich laut Sega bis Ende 2022 über 4 Millionen Mal. Der Nachfolger Two Point Campus erschien im August 2022 und erreichte innerhalb des ersten Jahres rund 1,5 Millionen Verkäufe. Beide Spiele halten bei Metacritic-Werten zwischen 82 und 86 Prozent.
Die Bullfrog-DNA im Studio
Webley und Carr bringen reichlich Erfahrung mit. Beide arbeiteten zuvor bei Bullfrog und später bei Lionhead, an Titeln wie:
- Theme Hospital
- Black & White
- Fable-Reihe
Ben Hymers, der dritte Gründer, war Lead Programmer für Theme Park (1994) und später Technical Director bei Lionhead. Zwischen 1994 und 2004 wirkten Webley und Carr an neun Bullfrog-Titeln mit, darunter Dungeon Keeper (1997) und Theme Park World (1999). Die Schließung von Lionhead durch Microsoft im April 2016 wurde zum unmittelbaren Auslöser für die Gründung von Two Point Studios, mehrere ehemalige Lionhead-Entwickler folgten den Gründern.
Bankrott, Rückschläge und Neuanfänge
Im Interview sprechen die Gründer auch über schwierige Zeiten. Der Begriff Bankrott fällt, ein Hinweis darauf, dass der Weg nicht immer gerade war. Doch die Leidenschaft für außergewöhnliche Simulationen hielt das Team zusammen.
2017, mitten in der Entwicklung von Two Point Hospital, reichten die Finanzreserven nicht mehr. Die Gründer investierten eigene Ersparnisse, und ein Darlehen von Sega sowie ein Co-Development-Deal mit einem chinesischen Partner verhinderten die Schließung. Laut Webley gab es einen Punkt, an dem das Team auf fünf Kernmitglieder schrumpfte. Erst die Vorab-Verkäufe über Steam sicherten die Gehälter der nächsten Monate. Das Studio wuchs von 11 auf über 60 Mitarbeiter innerhalb von fünf Jahren.
Zwei Spiele, ein Erfolg
Two Point Hospital erschien nach drei Jahren Entwicklung. Es übernahm das Grundprinzip von Theme Hospital (1997), Diagnose, Behandlung, Raummanagement, und erweiterte es um moderne Mechaniken wie Warteschlangenoptimierung und Franchise-Modus. Das Spiel enthielt 12 Krankheiten, die direkt aus Theme Hospital übernommen wurden, plus 34 neue. Die Steam-Bewertung liegt bei 93 Prozent positiv.
Two Point Campus verlegte das Setting auf eine Universitätsverwaltung. Statt Krankenbetten verwaltet der Spieler Vorlesungsräume, Studentenwohnheime und Partys. Das Spiel führte Jahreszeiten und einen Karriere-Modus mit 15 Standorten ein. Beide Titel nutzen dieselbe Engine und teilen sich viele Assets, ein bewusster Design-Entscheid, um schneller entwickeln zu können.
Ausblick in die Zukunft
Was kommt als Nächstes? Die Gründer verraten, dass neue Projekte in Arbeit sind. Der Geist von Bullfrog soll weiterleben, aber ohne sich selbst zu kopieren.
Für 2025 ist Two Point Museum angekündigt, eine Museums-Management-Simulation. Es erscheint im März 2025 für PC, PlayStation 5, Xbox Series X|S und Switch. Das Studio arbeitet zudem an einer eigenen IP, die nicht auf einem bestehenden Bullfrog-Konzept basiert. Remakes oder Neuauflagen alter Klassiker lehnen die Gründer ab, stattdessen wollen sie neue Settings mit vertrauter Mechanik kombinieren. Derzeit beschäftigt Two Point Studios rund 70 Angestellte, verteilt auf zwei Standorte in Farnham und Guildford.