Inventar im Wert von zehn Millionen Dollar blockiert
Paizo, der Publisher hinter dem Fantasy-Rollenspiel Pathfinder, steckt in einer finanziellen Krise. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben Waren im Wert von rund zehn Millionen US-Dollar verloren, sie liegen in einem Lagerhaus des Großhändlers Diamond Comics Distributors fest.
Wegen der blockierten Bestände musste Paizo bereits Mitarbeiter entlassen. Wie viele Stellen genau gestrichen wurden, ist bislang nicht bekannt. Der Publisher kämpft nun vor Gericht um die Rückgabe der Produkte.
Von Dragon und Dungeon zu Pathfinder
Paizo wurde 2002 als Publisher der Rollenspiel-Magazine Dragon und Dungeon gegründet, damals lizenziert von Wizards of the Coast. 2007 entzog Wizards die Lizenz, ein harter Einschnitt. 2009 veröffentlichte Paizo auf Basis der Open Game License von D&D 3.5 die erste Edition von Pathfinder. Das Spiel wurde zum direkten Konkurrenten von Dungeons & Dragons. 2017 folgte das Sci-Fi-Rollenspiel Starfinder. 2019 erschien Pathfinder Second Edition, ein komplett überarbeitetes Regelwerk. Das Unternehmen finanzierte mehrere Produkte über Kickstarter, darunter den Adventure Path Kingmaker und das Computerspiel Pathfinder: Wrath of the Righteous (2021). Vor der Krise beschäftigte Paizo rund 100 Mitarbeiter.
Der Rechtsstreit mit Diamond Comics
Die Auseinandersetzung ist kein Einzelfall. Laut einer Stellungnahme von Paizo befinden sich Dutzende anderer Verlage in derselben Situation. Sie alle haben Klage eingereicht, um ihre eigenen Waren zurückzubekommen.
Ein direktes Zitat aus der Klageschrift bringt es auf den Punkt: „Paizo and dozens of other publishers have been in court ever since, fighting to reclaim our own products.“ Diamond Comics, einst einer der größten Vertriebspartner für Tabletop- und Comic-Publikationen, scheint die Auslieferung gestoppt zu haben.
Diamond in der Insolvenz, ein Branchenproblem
Diamond Comic Distributors meldete im Januar 2024 Insolvenz nach Chapter 11 an. Grund waren sinkende Umsätze im physischen Comic- und Tabletop-Markt sowie Schulden in dreistelliger Millionenhöhe. Der Distributor hielt über Jahrzehnte eine Quasi-Monopolstellung in Nordamerika. Betroffen sind neben Paizo etwa Verlage wie Onyx Path („World of Darkness“), Modiphius („Fallout: The Roleplaying Game“) und Chaosium („Call of Cthulhu“). Die Summe der eingeklagten Waren beläuft sich auf mehrere Dutzend Millionen Dollar. Branchenkenner vergleichen den Fall mit dem Zusammenbruch des Distributors Alliance Game Distributors 2021, mit dem Unterschied, dass Diamond größer und stärker vernetzt ist.
Was das für Pathfinder-Fans bedeutet
- Aktuelle Pathfinder-Bücher und Zubehör sind in vielen Läden möglicherweise nicht verfügbar.
- Neue Veröffentlichungen könnten sich verzögern, solange der Rechtsstreit läuft.
- Paizo hat keine Angaben gemacht, ob bereits gedruckte Auflagen komplett verloren sind.
Zehn Millionen Dollar gebundenes Inventar sind für einen Publisher dieser Größe ein harter Schlag.
Digitale Ausweichlösungen und neue Logistikpartner
Paizo bietet betroffene Titel vorübergehend als rabattierte PDFs auf der eigenen Webseite an. Das Unternehmen verhandelt parallel mit alternativen Großhändlern wie UPS und ACD Distribution. Ein Gerichtstermin im Insolvenzverfahren von Diamond ist für Mai 2025 angesetzt. Bis dahin bleibt unklar, ob die Ware physisch zurückgegeben oder als verloren abgeschrieben wird. Die Abhängigkeit von einem einzigen Distributor gilt in der Branche nun als kritischer Fehler, mehrere Verlage haben bereits ihre Logistik umgestellt.