Zuckers nächster Coup: Ein eigener Wettmarkt?
Mark Zuckerberg will angeblich nicht länger nur zusehen, wie andere mit Vorhersagemärkten Milliarden scheffeln. Laut einem Bericht von Kotaku arbeitet der Facebook-Gründer intern an einer neuen App mit dem Codenamen „Arena“, einem direkten Gegenentwurf zu Polymarket, der derzeit dominierenden Plattform für politische und sportliche Prognosewetten.
Das Projekt soll sich noch in einer frühen Phase befinden, aber die Absicht sei klar: Meta will ein Stück vom Kuchen des boomenden Prediction-Market-Sektors abhaben. Der Markt, der Wetten auf Wahlergebnisse, Sportereignisse oder Aktienkurse ermöglicht, hat in den letzten Monaten massiv an Fahrt aufgenommen. Im November 2024 erreichte Polymarket ein monatliches Handelsvolumen von über 800 Millionen US-Dollar (laut Dune Analytics). Das zieht Aufmerksamkeit auf sich, auch aus Menlo Park.
Metas verlustreiche Glücksspielversuche
Zuckerbergs Firma hat eine wechselhafte Geschichte mit geldbasierten Features. 2012 führte Facebook Facebook Credits ein, eine virtuelle Währung für Spiele wie FarmVille und CityVille. Das System brachte millionenschwere Einnahmen, aber die Nutzer lehnten die Umstellung auf Pflicht-Transaktionen ab. 2013 strich Meta die Credits wieder.
- 2014 startete Facebook eine eigene Casino-App namens „Facebook Slots“ (ein Test in Großbritannien). Nach sechs Monaten eingestellt wegen rechtlicher Hürden.
- 2016 versuchte es Meta mit „Facebook Instant Games“: eine Plattform für einfache Spiele ohne Echtgeld, bewusst keine Wettmechaniken.
- 2020 folgte Facebook Pay, ein Zahlungssystem, das Nutzer an Metas Wallets binden sollte. Genutzt für Spielekäufe, nie für Glücksspiel.
Die Abteilung, die „Arena“ entwickelt, gehört zu Meta’s New Product Experimentation (NPE), einer internen Einheit für schnelle Prototypen. NPE brachte bisher nur mäßige Erfolge hervor: die isolierte Social-App Lasso (2018, eingestellt) und den Dating-Dienst Facebook Dating (2019, regional limitiert).
„Arena“, Was steckt hinter dem Codenamen?
- Der interne Name deutet auf ein kompetitives Umfeld hin: Nutzer treten in einer Art digitaler Arena gegeneinander an.
- Anders als Polymarket, das auf Kryptowährungen und Blockchain setzt, könnte „Arena“ auf klassische Echtgeld-Zahlungen oder Metas hauseigenes Wallet-System zurückgreifen.
- Die rechtliche Grauzone ist jedoch massiv: In den USA sind viele Prediction-Markets nur unter strengen Auflagen oder gar nicht erlaubt. Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hat Polymarket 2023 mit einer Geldstrafe von 1,4 Millionen Dollar belegt, weil das Unternehmen ohne Registrierung handelte.
Zuckerberg hat in der Vergangenheit mehrfach versucht, neue Glücksspiel-ähnliche Features bei Facebook zu etablieren, meist mit mäßigem Erfolg. Besonders in Erinnerung bleibt das Debakel um Facebook Credits und die gescheiterten Casino-Apps auf der Plattform. Ein Unterschied: „Arena“ wäre eine eigenständige App, nicht als Facebook-Erweiterung. Das könnte regulatorische Risiken isolieren.
Der Rivalitätsfaktor: Peter Thiel und Polymarket
Polymarket wurde 2020 von Shayne Coplan gegründet, aber sein prominenter Investor ist Peter Thiel, Mitgründer von PayPal und langjähriger Facebook-Aufsichtsrat, der sich 2022 mit Zuckerberg überwarf. Thiel warnte öffentlich vor Metas KI-Strategie und zog sich aus dem Board zurück.
Die beiden Milliardäre stehen für gegensätzliche Philosophien: Thiel setzt auf Dezentralisierung (Polymarket operiert über Ethereum), Zuckerberg auf zentralisierte Nutzerdaten und KI-gesteuerte Empfehlungen. Ein direkter Wettstreit um Prognose-Wetten könnte die alte Rivalität neu entfachen. Polymarket hat 2024 die größte Marktkapitalisierung im Sektor, 1,2 Milliarden Dollar Gesamtvolumen seit Start –, aber die Plattform leidet unter Liquiditätsproblemen in Nischenmärkten.
Zahlen und Fakten zum Prediction-Market-Boom
- Der globale Markt für Vorhersagewetten wurde 2023 auf 5,8 Milliarden Dollar geschätzt (Marktforschung von Grand View Research). Jährliches Wachstum: 11,2 Prozent bis 2030.
- Politischer Prognosehandel machte 2024 70 Prozent des Polymarket-Volumens aus, angetrieben von den US-Wahlen.
- Konkurrenten wie Kalshi (CFTC-reguliert) und Smarkets (UK) konzentrieren sich auf Sport und Finanzen. Kalshi verzeichnete 2024 ein Handelsvolumen von 350 Millionen Dollar.
- Metas potenzieller Einstieg könnte den Markt aufmischen: Allein der Datenbestand von 3 Milliarden Facebook-Nutzern (Stand 2024) erlaubt hyperlokale Wetten, etwa auf Ergebnisse kleiner Gemeindewahlen oder lokale Wetterereignisse.
Kein offizielles Statement, aber die Zeichen stehen auf Angriff
Bislang hat sich Meta nicht zu den Gerüchten geäußert. Weder ein Sprecher noch ein offizielles Dokument bestätigt die Existenz von „Arena“. Das Unternehmen verweist stattdessen auf seine bestehenden Metaverse- und KI-Projekte.
Doch die Branche spekuliert wild: Sollte Zuckerberg tatsächlich eine eigene Wett-App auf den Markt bringen, würde er mit Milliardärs-Konkurrenten wie Peter Thiel (Gründer von Polymarket) aneinandergeraten. Der Kampf um die Deutungshoheit über den Prognose-Wetten-Markt könnte zur nächsten Schlacht der Tech-Giganten werden.
Ob „Arena“ je das Licht der Welt erblickt, steht in den Sternen, aber die Gerüchteküche brodelt. Und bei Zuckerbergs Ehrgeiz und Geldbeutel wäre eine Überraschung kaum verwunderlich. Während Polymarket noch im Rechtsstreit mit der CFTC steckt (ein Verfahren aus 2023 läuft), könnte Meta auf ein reguliertes Modell nach britischem Vorbild setzen. Der UK Gambling Commission hat bereits 2022 erste Lizenzen für Prediction-Markets anbieter wie MansionBet vergeben. Zuckerbergs Anwälte prüfen derzeit die Optionen, das ist der einzige handfeste Hinweis auf das Projekt.