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Alaloth: Wenn Old-School-Ambitionen auf moderne Frustration treffen
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Alaloth: Wenn Old-School-Ambitionen auf moderne Frustration treffen

Alaloth – Champions of The Four Kingdoms verspricht ein episches isometrisches Action-RPG im Stile von Baldur’s Gate, stolpert jedoch über seine eigene Steuerung und ein unausgewogenes Spieldesign. Ein ambitionierter Titel mit Ecken und Kanten, der seine Zielgruppe hart auf die Probe stellt.

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Tommes Parzl
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Wenn man „Alaloth – Champions of The Four Kingdoms“ zum ersten Mal startet, fühlt man sich sofort in eine Ära zurückversetzt, in der RPGs noch keine Angst vor Komplexität hatten. Die Welt von Plamen, entworfen in Zusammenarbeit mit Chris Avellone, versprüht einen Charme, den man in modernen Triple-A-Produktionen oft vermisst. Doch hinter der glänzenden Fassade aus düsterer Fantasy und isometrischer Nostalgie verbirgt sich ein Spiel, das mich während meines Tests zwischen tiefer Bewunderung und blankem Frust hin- und hergerissen hat.

Eine Welt, die zum Verweilen einlädt

Die größte Stärke von Alaloth ist zweifellos seine Präsentation. Die handgezeichneten Hintergründe sind absolut fantastisch. Jedes Dorf, jeder Wald und jede Ruine erzählt eine Geschichte. Man spürt das Gewicht der Lore, die hinter den vier Königreichen steckt. Wer sich in einer Welt verlieren möchte, die sich nicht wie ein generischer Themenpark anfühlt, wird hier fündig. Die Atmosphäre ist dicht, bedrohlich und erinnert an die besten Tage klassischer Pen-&-Paper-Rollenspiele.

Das Kampfsystem: Fluch und Segen zugleich

Hier wird es jedoch kompliziert. Die Entwickler haben sich für ein Kampfsystem entschieden, das stark an die „Souls“-Reihe angelehnt ist: Ausweichen, Parieren, Ausdauer-Management. Das klingt auf dem Papier hervorragend, doch in der Praxis offenbart sich das größte Problem des Spiels: die Steuerung.

In einem Spiel, das Präzision erfordert, fühlt sich die Steuerung oft schwammig an. Wenn ich einen Angriff parieren will, das Timing aber durch ein leichtes Input-Lag oder eine unsaubere Animation verpasse, fühlt sich das nicht wie mein Fehler an, sondern wie ein technisches Versagen. Besonders gegen mehrere Gegner gleichzeitig wird das Kampfsystem schnell zu einem chaotischen Glücksspiel. Es gibt Momente, in denen man sich wie ein wahrer Champion fühlt, doch diese werden zu oft von Momenten überschattet, in denen man frustriert den Controller beiseitelegen möchte.

Balancing – Eine Achterbahnfahrt

Ein weiterer Punkt, der mich bei Alaloth stört, ist das Balancing. Das Spiel wirft den Spieler in eine offene Welt, in der man sich schnell überfordert fühlen kann. Es gibt keine klare Führung, was für Puristen ein Segen sein mag, aber das Fehlen eines vernünftigen „Level-Scalings“ oder einer klaren Progression führt dazu, dass man oft in Gebiete gerät, in denen man ohne Vorwarnung von einem Standardgegner mit einem Schlag aus den Latschen gehauen wird.

Das „Roguelite“-Element, bei dem man nach dem Tod Fortschritte verliert oder die Welt sich weiterentwickelt, während man selbst noch versucht, die Steuerung zu meistern, sorgt für eine steile Lernkurve, die für viele Spieler eher eine Wand als eine Herausforderung darstellen dürfte.

Technische Hürden

Auch technisch ist Alaloth kein Meisterwerk. Während der Testphase stieß ich auf einige Bugs – von hängengebliebenen Charaktermodellen bis hin zu UI-Elementen, die nicht korrekt reagierten. Nichts davon war „game-breaking“, aber in der Summe trübt es den Gesamteindruck erheblich. Man merkt dem Spiel an, dass es ein ambitioniertes Indie-Projekt ist, dem es an der letzten Politur fehlt, um wirklich in der obersten Liga mitzuspielen.

Fazit: Für wen ist das Spiel?

Alaloth – Champions of The Four Kingdoms ist ein Spiel für eine ganz spezifische Zielgruppe: Spieler, die bereit sind, über technische Unzulänglichkeiten hinwegzusehen, um eine tiefgründige, düstere Welt zu erkunden. Wer ein poliertes, flüssiges Erlebnis sucht, wird hier enttäuscht werden. Wer jedoch die Geduld aufbringt, sich in die Mechaniken einzuarbeiten und die frustrierenden Tode als Teil des Lernprozesses akzeptiert, findet hier ein RPG mit Charakter und einer Seele, die man bei vielen glattgebügelten Blockbustern vergeblich sucht.

Es ist kein Meisterwerk, aber es ist ein Spiel mit einer klaren Vision. Wenn die Entwickler in den kommenden Monaten noch am Feinschliff der Steuerung und am Balancing arbeiten, könnte aus diesem „Rohdiamanten“ noch ein echter Geheimtipp werden. Stand jetzt ist es ein mutiges, aber unfertig wirkendes Abenteuer, das man mit Vorsicht genießen sollte.

6.5
/10
OKAY

+ PRO

  • +Wunderschöne, handgezeichnete Spielwelt mit hoher atmosphärischer Dichte.
  • +Anspruchsvolles, taktisches Kampfsystem, das an Dark Souls erinnert.
  • +Hoher Wiederspielwert durch verschiedene Völker und Fraktionen.

- CONTRA

  • -Die Steuerung fühlt sich in hitzigen Kämpfen oft schwammig und unpräzise an.
  • -Das Balancing der Schwierigkeitsgrade ist frustrierend und teils unfair.
  • -Technische Mängel und ein zäher Spielfluss bremsen den Entdeckerdrang.

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