Zwischen historischem Glanz und mechanischem Schatten: Wuchang: Fallen Feathers im Test
Wuchang: Fallen Feathers entführt uns in eine düstere, fantastische Version der späten Ming-Dynastie. Doch kann das ambitionierte Soulslike-Adventure die hohen Erwartungen erfüllen oder verliert es sich in seinen eigenen Ambitionen?
Wenn man die ersten Trailer zu Wuchang: Fallen Feathers sah, war die Erwartungshaltung klar: Ein chinesisches Sekiro oder Bloodborne, getränkt in die Ästhetik der Ming-Dynastie. Nun, da das Spiel endlich in den Händen der Spieler liegt, zeigt sich ein Bild, das so facettenreich ist wie die zerbrochenen Masken, die unsere Protagonistin Wuchang im Laufe ihrer Reise sammelt. Als erfahrener Genre-Veteran kann ich sagen: Wuchang ist ein beeindruckendes Debüt, das jedoch an den typischen Kinderkrankheiten eines ambitionierten Projekts leidet.
Die Geschichte von Wuchang ist zweifellos der stärkste Anker des Spiels. Wir schlüpfen in die Rolle einer Kriegerin, die unter einer mysteriösen Krankheit leidet, die sie mit übernatürlichen Kräften ausstattet, ihr aber gleichzeitig die Erinnerungen raubt. Das Setting – ein vom Verfall gezeichnetes China, in dem sich historische Realität mit albtraumhaften Monstern vermischt – ist atmosphärisch absolut erstklassig. Die Entwickler von Leenzee Games haben hier eine Welt geschaffen, die man förmlich riechen kann: der Geruch von verbranntem Weihrauch, vermischt mit dem metallischen Geschmack von Blut.
Spielerisch orientiert sich Wuchang stark an den Genre-Größen. Das Kampfsystem ist schnell, fordernd und verlangt präzises Timing beim Parieren und Ausweichen. Besonders das System der „Feder-Kräfte“, mit denen Wuchang ihre Angriffe modifizieren kann, bringt eine erfrischende taktische Tiefe ins Spiel. Wenn man einen Bossgegner nach dem zehnten Versuch endlich in die Knie zwingt, stellt sich dieses wohlige „Souls-Gefühl“ ein, das wir alle so lieben. Die Animationen der Kämpfe sind flüssig und wuchtig; jeder Schlag fühlt sich schwer an, jede Parade wird mit einem befriedigenden metallischen Klang belohnt.
Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Während die ersten Stunden den Spieler mit einer dichten, fast schon beklemmenden Atmosphäre in ihren Bann ziehen, lässt die Qualität des Leveldesigns nach etwa der Hälfte der Spielzeit spürbar nach. Wo anfangs noch verschlungene Pfade und vertikale Erkundungsmöglichkeiten lockten, finden wir uns später oft in recht schlauchigen Korridoren wieder. Das Gefühl der Entdeckung, das ein gutes Adventure ausmacht, verflüchtigt sich hier zusehends.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die technische Seite. Auf der Test-Plattform (PC mit High-End-Hardware) kam es in den weitläufigeren Arealen immer wieder zu spürbaren Framerate-Einbrüchen. Besonders in Kämpfen mit mehreren Gegnern, wenn Partikeleffekte den Bildschirm fluten, gerät die Engine ins Schwitzen. Das ist in einem Spiel, das auf präzises Timing angewiesen ist, schlichtweg ärgerlich. Auch die KI der Standardgegner lässt zu wünschen übrig. Während die Bosse durch ihre komplexen Angriffsmuster glänzen, wirken die Fußsoldaten oft wie Kanonenfutter, das stur auf den Spieler zuläuft, ohne die Umgebung oder taktische Manöver zu nutzen.
Dennoch: Wuchang: Fallen Feathers ist kein Spiel, das man einfach so abtun sollte. Es hat eine Seele. Die Art und Weise, wie die chinesische Mythologie in das World-Building einfließt, ist erfrischend anders als der europäische Mittelalter-Einheitsbrei, den wir in diesem Genre so oft sehen. Die Bosskämpfe sind kreativ gestaltet und verlangen dem Spieler alles ab, ohne dabei unfair zu wirken – ein schmaler Grat, den das Team meistens erfolgreich meistert.
Für wen ist dieses Spiel also etwas? Wer ein poliertes Meisterwerk ohne Ecken und Kanten sucht, wird hier vielleicht enttäuscht. Wer jedoch bereit ist, über die technischen Macken und das etwas abfallende Leveldesign hinwegzusehen, um in eine der atmosphärisch dichtesten Welten des Jahres 2025 einzutauchen, der wird mit Wuchang seine helle Freude haben. Es ist ein Spiel mit Herzblut, das zwar stolpert, aber nie ganz hinfällt.
Abschließend lässt sich sagen: Wuchang ist ein starkes Fundament. Wenn Leenzee Games in Zukunft an der technischen Stabilität arbeitet und das Leveldesign konsequenter durchzieht, könnte aus dieser IP eine feste Größe im Soulslike-Segment werden. Für den Moment bleibt ein „gut“, das vor allem durch sein herausragendes Art-Design und sein forderndes Kampfsystem getragen wird. Ein Pflichtkauf für Fans des Genres, aber mit dem Hinweis: Bringt Geduld für die Performance mit.
+ PRO
- +Atemberaubendes Art-Design mit authentischem Ming-Dynastie-Flair
- +Forderndes, aber belohnendes Kampfsystem mit cleveren Waffen-Kombos
- +Einzigartige Lore, die chinesische Mythologie mit Dark-Fantasy-Elementen verwebt
- CONTRA
- -Gelegentliche Performance-Einbrüche in grafisch dichten Arealen
- -Das Leveldesign wirkt in der zweiten Spielhälfte zunehmend linear und repetitiv
- -Die KI der Standardgegner agiert teils vorhersehbar und wenig intelligent
FAZIT
Ein atmosphärisch starkes Ming-Dynastie-Soulslike mit forderndem Kampfsystem, dessen Linearität im späteren Verlauf und KI-Schwächen trüben.
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