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Zwischen Stahl und Sternenstaub: Wenn Ambition auf Frust trifft
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Zwischen Stahl und Sternenstaub: Wenn Ambition auf Frust trifft

AI Limit entführt uns in eine postapokalyptische Welt voller mechanischer Schrecken, scheitert aber trotz innovativer Ansätze an der eigenen spielerischen Balance.

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Dennis Adam
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SPIEL AI Limit
ENTWICKLER Sense Games
PUBLISHER CE-Asia
RELEASE 27. März 2025
PLATTFORMEN: PC | PS5

Wenn man sich im Jahr 2025 die Indie-Landschaft ansieht, ist das Genre der „Soulslikes“ fast schon überlaufen. Jeder Entwickler versucht, das Rezept von FromSoftware zu kopieren, doch nur wenige verstehen die geheime Zutat: das Gefühl von fair verdientem Fortschritt. AI Limit aus dem Hause Sense Games tritt an, um dieses Genre mit einer ordentlichen Portion Sci-Fi-Düsternis zu bereichern. Doch nach gut 30 Stunden in der zerstörten Welt von AI Limit bleibt ein zwiespältiger Eindruck zurück: Das Spiel ist ein funkelnder Diamant, der noch dringend einen Schliff gebraucht hätte.

Die Welt der „Bladers“

Die Prämisse von AI Limit ist schnell erzählt: Wir schlüpfen in die Rolle von Arrisa, einer sogenannten „Blader“, in einer Welt, die von mysteriösen kataklysmischen Ereignissen heimgesucht wurde. Die Atmosphäre ist das absolute Highlight des Spiels. Die verfallenen, metallischen Ruinen, die von einer Art technologischem Pilzbefall überwuchert sind, erzeugen eine beklemmende, melancholische Stimmung, die man so selten in Indie-Produktionen sieht. Man spürt an jeder Ecke, dass hier eine Geschichte erzählt werden will – auch wenn sie oft kryptisch hinter Item-Beschreibungen und vagen Dialogen verborgen bleibt.

Das Sync-System: Licht und Schatten

Das Herzstück von AI Limit ist das „Sync“-System. Anstatt sich nur auf Ausweichen und Blocken zu verlassen, können wir durch geschicktes Timing die Angriffe unserer Gegner „synchronisieren“. Das fühlt sich extrem befriedigend an, wenn es klappt. Ein perfekter Konter lässt die Welt für einen Sekundenbruchteil stillstehen und erlaubt uns verheerende Gegenangriffe.

Doch hier liegt auch das erste große Problem: Die Steuerung. In einem Spiel, das auf Präzision angewiesen ist, fühlt sich Arrisa manchmal etwas zu „schwer“ an. Besonders bei Kämpfen gegen mehrere Gegner gleichzeitig gerät die Kamera oft in Panik, und die Eingabeverzögerung – wenn auch nur minimal – kann über Sieg oder Niederlage entscheiden. Wenn ich sterbe, möchte ich das Gefühl haben, dass ich einen Fehler gemacht habe. In AI Limit hatte ich oft das Gefühl, gegen die Steuerung zu kämpfen, anstatt gegen den Boss.

Bosskämpfe mit Höhen und Tiefen

Die Bosse in AI Limit sind visuell spektakulär. Die Designs der mechanischen Ungetüme sind kreativ und fordernd. Jeder Boss verlangt eine andere Taktik, was das Spiel in seinen besten Momenten zu einem wahren Tanz der Klingen macht. Aber auch hier zeigt sich das Indie-Budget: Einige Bosse wirken unfertig. Es gibt Phasen, in denen Hitboxen nicht ganz sauber sind. Nichts ist frustrierender, als hinter einem Gegner zu stehen und trotzdem von einem Frontalangriff getroffen zu werden. Das ist kein „Git Gud“-Moment, sondern schlichtes technisches Versagen.

Das Problem mit der Spielwelt

Während der erste Akt von AI Limit durch abwechslungsreiche Areale glänzt – von verlassenen Laboren bis hin zu schwebenden Plattformen über einem Abgrund –, verfällt das Spiel in der zweiten Hälfte in eine unangenehme Monotonie. Die Umgebungen wiederholen sich, die Gegner-Varianz nimmt ab, und man hat das Gefühl, dass den Entwicklern gegen Ende des Projekts entweder die Zeit oder das Budget ausgegangen ist. Das Erkunden, das in den ersten Stunden noch belohnt wurde, fühlt sich später eher wie eine Pflichtaufgabe an, um zum nächsten Boss zu gelangen.

Fazit: Ein Rohdiamant für Genre-Fans

AI Limit ist kein schlechtes Spiel. Im Gegenteil: Es ist ein mutiges Projekt, das zeigt, wie viel Herzblut in Indie-Studios steckt. Wer NieR: Automata liebt und sich an einem knackigen Schwierigkeitsgrad nicht stört, wird hier viele Stunden Freude haben. Die Ästhetik ist erstklassig, der Soundtrack treibend und das Kampfsystem bietet Ansätze, die man in AAA-Titeln oft vermisst.

Doch man darf nicht verschweigen, dass das Spiel unter seiner eigenen Ambition leidet. Die technischen Mängel, die schwammige Steuerung und das abfallende Leveldesign verhindern, dass AI Limit in die Riege der ganz Großen aufsteigt. Wer jedoch bereit ist, über diese Ecken und Kanten hinwegzusehen, findet hier ein Sci-Fi-Abenteuer, das einen so schnell nicht wieder loslässt. Für den Vollpreis ist es ein Wagnis, aber für Genre-Enthusiasten, die nach einer neuen Herausforderung suchen, ist es definitiv einen Blick wert.

AI Limit ist wie ein alter, rostiger Roboter: Es hat Macken, es quietscht an allen Ecken, aber wenn es in Fahrt kommt, ist es eine beeindruckende Maschine.

7.2
/10
GUT

+ PRO

  • +Visuell beeindruckendes Art-Design mit einzigartiger Sci-Fi-Ästhetik
  • +Innovatives „Sync“-System, das taktische Tiefe in Kämpfe bringt
  • +Herausfordernde Bosskämpfe, die echtes Erfolgserlebnis bieten

- CONTRA

  • -Technisches Polishing lässt an vielen Stellen zu wünschen übrig
  • -Die Steuerung wirkt in hektischen Momenten oft schwammig
  • -Leveldesign wiederholt sich in der zweiten Spielhälfte zu stark

FAZIT

Ein stilvolles Sci-Fi-Soulslike mit innovativem Sync-System, das an Polishing-Mängeln und repetitivem Leveldesign leidet.

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