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LASERS: Wenn Lichtgeschwindigkeit auf eine Vollbremsung trifft
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LASERS: Wenn Lichtgeschwindigkeit auf eine Vollbremsung trifft

LASERS verspricht ein neon-getränktes Hochgeschwindigkeits-Erlebnis, das die Grenzen des Renn-Genres sprengen will. Doch hinter der blendenden Fassade verbirgt sich ein Spiel, das zwischen Genialität und technischer Frustration schwankt.

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FatimaEzzahra Zouhoum
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Wenn man den ersten Trailer zu LASERS sah, war die Erwartungshaltung klar: Ein futuristischer Arcade-Racer, der sich anfühlt, als würde man mit 300 km/h durch einen LSD-Trip der 80er Jahre rasen. Nun, nach etlichen Stunden auf den neon-leuchtenden Pisten des Spiels, kann ich sagen: Das visuelle Versprechen wurde gehalten, aber die spielerische Substanz lässt mich zwiegespalten zurück.

Fangen wir mit dem an, was LASERS sofort aus der Masse heraushebt: Die Präsentation. Das Spiel ist ein Fest für die Augen. Die Entwickler haben ein visuelles Design gewählt, das komplett auf Vektorgrafik-Ästhetik und knallige Kontraste setzt. Wenn man durch einen Tunnel aus pulsierenden Lichtbändern rast, während der Soundtrack – eine treibende Mischung aus Dark Synth und Industrial – die Boxen zum Beben bringt, dann ist das purer Adrenalin-Kick. In diesen Momenten vergisst man alles um sich herum. Das Geschwindigkeitsgefühl ist so intensiv, dass man sich unweigerlich dabei ertappt, wie man sich in die Kurven lehnt, als würde man selbst im Cockpit sitzen.

Doch hier beginnt auch das Problem. LASERS ist ein Spiel, das sich auf seine Ästhetik verlässt, aber spielerisch oft den Anschluss verliert. Während das Fahren auf geraden Strecken oder in weiten Kurven wunderbar funktioniert, wird es in den technisch anspruchsvolleren Sektionen frustrierend. Die Steuerung fühlt sich in engen Passagen seltsam “schwammig” an. Es fehlt das präzise Feedback, das man von einem Genre-König wie Wipeout oder F-Zero gewohnt ist. Man hat oft das Gefühl, das Fahrzeug würde eher auf einer Eisschicht gleiten als auf einer Rennstrecke haften. Das führt dazu, dass man bei schwierigen Manövern nicht durch Können, sondern durch pures Glück oder Auswendiglernen der Strecke überlebt.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die inhaltliche Dürre. LASERS ist ein klassischer “Pick-up-and-play”-Titel. Es gibt keinen komplexen Karrieremodus, kein tiefgreifendes Tuning-System und kaum Anreize, die Strecken immer wieder zu fahren, außer um die eigene Bestzeit um Millisekunden zu verbessern. Wer nach einer Kampagne sucht, die einen über 20 Stunden bei der Stange hält, wird hier enttäuscht. Nach etwa vier bis fünf Stunden hat man das Gefühl, alles gesehen zu haben. Die Strecken wiederholen sich in ihrem Aufbau zu stark, und die KI-Gegner sind entweder hoffnungslos unterlegen oder – in den höheren Schwierigkeitsgraden – so aggressiv programmiert, dass sie einen bei der kleinsten Berührung in die Leitplanken schicken, was aufgrund der ungenauen Kollisionsabfrage oft zum sofortigen Aus führt.

Technisch gesehen ist das Spiel ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite steht die beeindruckende Optik, auf der anderen Seite die Performance. Auf meiner Test-Hardware kam es bei besonders actionreichen Szenen, in denen viele Partikeleffekte gleichzeitig über den Bildschirm flackern, zu spürbaren Framerate-Einbrüchen. In einem Spiel, das auf Millisekunden-Reaktionen angewiesen ist, ist ein Ruckler in der entscheidenden Kurve der absolute Genickbruch. Hier hätten die Entwickler zugunsten der Stabilität vielleicht etwas weniger “Glanz” wagen sollen.

Dennoch: Ich kann nicht leugnen, dass ich Spaß hatte. Es gibt diese seltenen Momente in LASERS, in denen alles zusammenpasst. Wenn die Musik perfekt zum Rhythmus der Strecke passt, man eine Haarnadelkurve im perfekten Drift nimmt und die Gegner hinter sich lässt, dann fühlt sich das Spiel wie ein Rausch an. Es ist ein Titel für zwischendurch, für den schnellen Kick nach einem langen Arbeitstag, um den Kopf auszuschalten und sich von Neonlichtern berieseln zu lassen.

Fazit: LASERS ist kein Meilenstein des Racing-Genres. Es ist ein stylischer, atmosphärischer Arcade-Racer, der seine Schwächen in der Steuerung und beim Umfang durch einen extrem starken Vibe und einen fantastischen Soundtrack kaschiert. Wer ein tiefgründiges Rennspiel sucht, sollte die Finger davon lassen. Wer aber ein Spiel für die “kurze Session zwischendurch” sucht und eine Schwäche für Retro-Futurismus hat, wird hier für ein paar Stunden glücklich werden. Es ist ein Spiel, das blendet – aber manchmal ist genau das alles, was man will.

7.2
/10
GUT

+ PRO

  • +Einzigartiges, hypnotisches Art-Design, das sich von der Masse abhebt.
  • +Der Soundtrack ist ein absolutes Meisterwerk des Synthwave-Genres.
  • +Das Geschwindigkeitsgefühl in den High-Speed-Passagen ist unerreicht.

- CONTRA

  • -Die Steuerung wirkt in engen Kurven oft schwammig und unpräzise.
  • -Der Mangel an inhaltlicher Tiefe sorgt nach wenigen Stunden für Langeweile.
  • -Gelegentliche Framerate-Einbrüche bei hoher Partikeldichte.

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