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Tetris für Kampfmaschinen: Warum Backpack Battles dein neues Suchtmittel ist
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Tetris für Kampfmaschinen: Warum Backpack Battles dein neues Suchtmittel ist

Backpack Battles verwandelt Inventar-Management in eine hochkomplexe taktische Schlacht. Ein Spiel, das beweist, dass der Sieg nicht auf dem Schlachtfeld, sondern im Rucksack entschieden wird.

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Tommes Parzl
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Es gibt Spiele, bei denen man sich fragt, warum man sie überhaupt spielt. Man starrt auf ein Raster, verschiebt bunte Icons, kombiniert Gegenstände und schaut dann zu, wie zwei Avatare für ein paar Sekunden aufeinander einprügeln, ohne dass man selbst einen einzigen Knopf drücken muss. Willkommen bei Backpack Battles. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein billiger Abklatsch von Auto-Chess-Mechaniken, doch wer sich einmal auf das Inventar-Puzzle eingelassen hat, kommt so schnell nicht mehr davon los.

Das Grundkonzept ist simpel: Du hast einen Rucksack, eine begrenzte Anzahl an Feldern und eine Handvoll Gold. In jeder Runde kaufst du Ausrüstung – Schwerter, Tränke, Schilde, magische Artefakte – und platzierst sie in deinem Rucksack. Das Besondere? Die Positionierung ist alles. Ein Schwert braucht Platz, ein Schild muss neben einer Waffe liegen, um sie zu schützen, und bestimmte Gegenstände lösen Synergien aus, wenn sie sich berühren. Es ist im Grunde Tetris für RPG-Nerds.

Was Backpack Battles so genial macht, ist die Tiefe der Synergien. Wenn ich als „Pyromant“ spiele, möchte ich meine Kohlen so platzieren, dass sie meine Feuerwaffen aufheizen. Wenn ich als „Waldläufer“ unterwegs bin, muss ich meine Taschen so organisieren, dass mein Bogen möglichst schnell schießt. Man verbringt 90 Prozent der Zeit damit, Items zu drehen, zu verschieben und zu verkaufen, um den einen perfekten Slot für das neue Item zu finden. Wenn dann die „Kampf“-Phase beginnt, lehnt man sich zurück und hofft, dass die eigene mathematische Planung aufgeht.

Doch hier kommen wir zum ersten Kritikpunkt: Der Glücksfaktor. Da der Shop in jeder Runde zufällige Gegenstände anbietet, kann es passieren, dass man einfach nicht die Bauteile bekommt, die man für seinen Build braucht. Wenn ich auf einen Gift-Build setze, aber drei Runden lang keine einzige Giftflasche sehe, während mein Gegner mit legendären Items um sich wirft, fühlt sich das manchmal unfair an. Es ist kein reines Strategiespiel; es ist ein Spiel, das dich zwingt, mit dem zu arbeiten, was du bekommst. Das ist zwar der Kern des Genres, kann aber in einer Pechsträhne zu echtem Frust führen.

Auch optisch gewinnt Backpack Battles sicher keinen Preis. Das Spiel sieht aus wie ein Browser-Game aus den frühen 2010er Jahren. Die Animationen sind rudimentär, die Soundeffekte sind zweckmäßig und die Benutzeroberfläche ist zwar funktional, aber alles andere als hübsch. Man merkt an jeder Ecke, dass hier der Fokus auf der Spielmechanik lag und nicht auf dem „Polishing“. Wer ein visuelles Spektakel erwartet, ist hier definitiv an der falschen Adresse.

Aber – und das ist ein großes Aber – das Spielprinzip ist so verdammt gut, dass man die Grafik nach zehn Minuten komplett ausblendet. Der „Nur noch eine Runde“-Effekt ist hier stärker als bei fast jedem anderen Titel, den ich dieses Jahr gespielt habe. Die Entwickler liefern zudem regelmäßig Updates, bringen neue Klassen und Items ins Spiel, was die Meta ständig in Bewegung hält. Man hat nie das Gefühl, dass man das Spiel „gelöst“ hat. Sobald man glaubt, die beste Strategie gefunden zu haben, kommt ein Update, das alles über den Haufen wirft.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Fairness. Es gibt keine Mikrotransaktionen, die einem Vorteile verschaffen, und das Spiel kostet einen fairen Preis. Es ist ein ehrliches Stück Software, das genau das liefert, was es verspricht: Ein taktisches Inventar-Management-Spiel mit Suchtpotenzial.

Abschließend lässt sich sagen: Backpack Battles ist kein Spiel für jeden. Wer Action, Grafik oder eine tiefgründige Story sucht, wird hier enttäuscht. Wer aber Freude daran hat, Systeme zu optimieren, Synergien zu berechnen und in einem kleinen Raster das absolute Maximum an Effizienz herauszuholen, der wird dieses Spiel lieben. Es ist ein minimalistisches Meisterwerk der Spielmechanik, das beweist, dass man für ein großartiges Spielerlebnis keine High-End-Grafik braucht – nur einen gut sortierten Rucksack.

Für mich ist es der Überraschungshit des Jahres. Ich werde jetzt noch eine Runde spielen – ich muss unbedingt ausprobieren, ob mein neuer „Heiltrank-Spam“-Build gegen die aktuellen Meta-Krieger besteht. Wir sehen uns in der Arena!

8.5
/10
GROSSARTIG

+ PRO

  • +Extrem befriedigendes 'Puzzle-Gefühl' beim Optimieren des Inventars.
  • +Hoher Wiederspielwert durch ständige Updates und neue Klassen-Kombinationen.
  • +Faire Monetarisierung und ein süchtig machender Loop.

- CONTRA

  • -Die visuelle Präsentation bleibt zweckmäßig und wenig spektakulär.
  • -Ein gewisser Glücksfaktor beim Shop-Angebot kann frustrierend sein.

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