Zwischen Gipfelsturm und Absturz: Warum PEAK den Atem raubt, aber nicht immer überzeugt
In PEAK erklimmen wir als einsame Bergsteiger die gefährlichsten Gipfel der Welt. Ein atmosphärisches Adventure, das visuelle Brillanz mit einer teils frustrierenden Steuerung paart.
Wenn man in PEAK zum ersten Mal den Blick vom Gipfel des fiktiven „Kaltstein-Massivs“ in das neblige Tal unter sich schweifen lässt, hält man unwillkürlich den Atem an. Das Entwicklerstudio hat hier eine visuelle Wucht abgeliefert, die 2025 neue Maßstäbe im Bereich der Umgebungsdarstellung setzt. Doch wie so oft bei Titeln, die sich auf ein so spezifisches und nischiges Genre wie das alpine Klettern konzentrieren, stellt sich schnell die Frage: Ist das noch ein Spiel oder schon eine Arbeit?
In PEAK schlüpfen wir in die Rolle eines namenlosen Bergsteigers, dessen Motivation uns das Spiel nur häppchenweise über gefundene Notizen und kurze Flashbacks offenbart. Das ist mein erster Kritikpunkt: Die Erzählweise ist derart minimalistisch, dass sie fast schon arrogant wirkt. Wer eine tiefgründige Charakterstudie erwartet, wird enttäuscht. Das Spiel will, dass wir uns auf den Fels konzentrieren, nicht auf die Psyche des Protagonisten. Das funktioniert für die Immersion, lässt einen aber emotional etwas distanziert zurück.
Das Herzstück von PEAK ist das Klettersystem. Es ist kein „Drücke-A-um-zu-springen“-Abenteuer. Jeder Griff muss einzeln mit den Triggern des Controllers gesetzt werden. Man spürt das Gewicht des Rucksacks, die Erschöpfung in den Armen und die Kälte, die langsam in die Gliedmaßen kriecht. Wenn man nach einer halbstündigen Kletterpartie an einer senkrechten Wand endlich einen Haken setzen kann, ist das ein Erfolgserlebnis, das man in dieser Intensität selten in anderen Adventures findet.
Doch hier liegt auch der Hund begraben: Die Steuerung. In Momenten, in denen es schnell gehen muss – etwa bei einem plötzlich aufziehenden Schneesturm –, wird die Präzision der Steuerung zur Geduldsprobe. Wenn ich versuche, nach einem rettenden Vorsprung zu greifen, mein Charakter aber aufgrund einer unglücklichen Kameraeinstellung ins Leere greift, ist das kein „herausforderndes Gameplay“, sondern schlichtweg schlechtes Design. Es gab Momente, in denen ich den Controller am liebsten gegen die Wand geworfen hätte, weil ich nach zehn Minuten Kletterei aufgrund eines Kamera-Bugs in den Abgrund stürzte. Die Checkpoints sind hierbei leider keine Hilfe; sie sind oft so weit auseinander platziert, dass man sich fragt, ob die Entwickler den Spieler bestrafen oder testen wollen.
Technisch ist PEAK jedoch ein Meisterwerk. Die Lichtstimmung, wenn die Sonne hinter den Gipfeln untergeht und die Felsen in ein unnatürliches, blutrotes Licht taucht, ist schlichtweg magisch. Auch das Sounddesign verdient ein Sonderlob. Das Knirschen des Schnees unter den Steigeisen, das Pfeifen des Windes in den Felsspalten und das schwere Atmen des Protagonisten erzeugen eine akustische Kulisse, die so dicht ist, dass man im Wohnzimmer fast die Heizung höher drehen möchte. Es ist ein Spiel, das man mit Kopfhörern genießen muss, um die volle Wirkung der Einsamkeit zu spüren.
Ein weiteres Element, das PEAK von anderen Titeln abhebt, ist das Ressourcenmanagement. Sauerstoff, Energie und die Haltbarkeit der Ausrüstung müssen ständig im Auge behalten werden. Man muss abwägen: Gehe ich das Risiko ein und klettere weiter, um das nächste Lager zu erreichen, oder schlage ich hier im Schneesturm mein Zelt auf, obwohl meine Vorräte knapp sind? Diese Entscheidungen fühlen sich gewichtig an und verleihen dem Spiel eine taktische Tiefe, die über das reine „Klettern“ hinausgeht.
Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack: Das Spiel ist repetitiv. Wer die ersten drei Gipfel bezwungen hat, kennt die Mechaniken in- und auswendig. Es gibt kaum Abwechslung im Gameplay-Loop. Man klettert, man managt Ressourcen, man kämpft mit der Kamera. Eine stärkere narrative Komponente oder vielleicht sogar ein Survival-Element, das den Fokus mehr auf die Basis-Errichtung oder das Wetter-Monitoring legt, hätte dem Spiel gutgetan.
PEAK ist ein Spiel für eine ganz bestimmte Zielgruppe. Wer die Ruhe und die Herausforderung der Berge liebt und über technische Macken hinwegsehen kann, wird hier ein Adventure finden, das ihn für Stunden in seinen Bann zieht. Alle anderen, die eine packende Story oder ein dynamisches Gameplay suchen, könnten sich schnell an der Monotonie und der teils frustrierenden Steuerung die Zähne ausbeißen.
Für mich persönlich war PEAK eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich habe die Stille der Gipfel genossen und mich über die Kamera geärgert. Es ist kein perfektes Spiel, aber es ist ein mutiges Spiel, das sich traut, anders zu sein. Ein „Muss“ für Berg-Enthusiasten, ein „Vorsicht“ für den Rest. EndeNews.de bleibt dran – vielleicht gibt es ja noch einen Patch, der die Kamera-Probleme in den Griff bekommt. Bis dahin: Seid vorsichtig da oben.
+ PRO
- +Atemberaubende, fotorealistische Grafik und Wettereffekte
- +Herausragendes Sounddesign, das die Einsamkeit perfekt einfängt
- +Nervenaufreibende Kletter-Mechanik mit taktischem Ressourcenmanagement
- CONTRA
- -Gelegentlich unfaire Checkpoints führen zu unnötigem Frust
- -Die Story bleibt bis zum Ende zu vage und distanziert
- -Kameraführung in engen Felsspalten oft hakelig
FAZIT
Ein visuell atemberaubendes Klettern-Abenteuer mit taktischer Tiefe, dessen unfaire Checkpoints und distanzierte Story den Fluss stören.
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