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Zwischen Sandstürmen und Server-Lags: Ist Dune: Awakening der Messias der MMOs?
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Zwischen Sandstürmen und Server-Lags: Ist Dune: Awakening der Messias der MMOs?

Dune: Awakening verspricht den ultimativen Überlebenskampf auf Arrakis, doch zwischen atemberaubender Immersion und repetitiven Grind-Mechaniken offenbart sich ein zweischneidiges Schwert. Wir haben uns in die Wüste gewagt.

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FatimaEzzahra Zouhoum
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SPIEL Dune: Awakening
ENTWICKLER Funcom
PUBLISHER Funcom
RELEASE 10. Juni 2025
PLATTFORMEN: PC | PS5 | Xbox Series X|S

Arrakis. Wüstenplanet. Das Grab der Hoffnung – oder in diesem Fall: der Ort, an dem Funcom versucht, das Survival-MMO-Genre neu zu definieren. Als ich das erste Mal in Dune: Awakening aus dem Wrack meines abgestürzten Schiffes taumelte und die gleißende Sonne über den Dünen sah, war ich sofort gefesselt. Die visuelle Präsentation ist zweifellos das Aushängeschild des Spiels. Man spürt förmlich die Hitze, man hört das Knirschen des Sandes unter den Stiefeln und wenn ein Sandsturm am Horizont aufzieht, ist das ein visuelles Spektakel, das seinesgleichen sucht. Doch wie so oft bei großen MMO-Versprechen stellt sich die Frage: Was steckt unter der glänzenden Oberfläche?

Das Spielprinzip ist eine Mischung aus klassischem Survival – Wasser sammeln, Hitze managen, Ressourcen farmen – und einer persistenten MMO-Welt. Der Einstieg gelingt hervorragend. Die ersten Stunden fühlen sich wie ein echter Überlebenskampf an. Man ist niemand, man ist ein Niemand im Sand, der versucht, nicht an Dehydrierung zu sterben. Das Crafting-System ist dabei erstaunlich tiefgreifend. Wer gerne baut und optimiert, wird hier hunderte Stunden versenken können. Die Art und Weise, wie man seine Basis gegen die gnadenlose Umwelt (und andere Spieler) absichert, ist durchdacht und motivierend.

Doch hier beginnt auch die erste Kritik: Das Mid-Game. Sobald die erste Euphorie des Überlebens verfliegt, schlägt die Realität des MMO-Grinds zu. Um an die wirklich spannenden Technologien und Ausrüstungsgegenstände zu gelangen, ist man auf endlose Ressourcen-Sammel-Touren angewiesen. Während das in den ersten Stunden noch zur Immersion beiträgt, fühlt es sich nach der zehnten Stunde wie reine Arbeit an. Man läuft durch die Wüste, baut Erze ab, läuft zurück, baut um. Hier hätte ich mir mehr Abwechslung in den Quests gewünscht, die über das bloße “Sammle X von Y” hinausgehen.

Ein weiterer Punkt, der mir Bauchschmerzen bereitet, ist die technische Performance. In den Startgebieten, in denen sich viele Spieler tummeln, kämpft Dune: Awakening mit massiven Framerate-Einbrüchen und Latenzproblemen. Nichts ist frustrierender, als in einem hitzigen Gefecht gegen einen Sandwurm oder einen rivalisierenden Spieler durch einen Lag-Spike den Löffel abzugeben. Funcom hat hier noch viel Arbeit vor sich, um die Serverstabilität auf ein Niveau zu heben, das für ein Spiel dieser Größenordnung angemessen ist.

Kommen wir zum PvP – dem Herzstück der Dune-Lore. Die Kämpfe um die wertvollen Spice-Vorkommen sind intensiv und taktisch, aber aktuell leider massiv unausgewogen. Gilden mit einer hohen Spielerzahl dominieren die Karte so stark, dass Solospieler oder kleine Gruppen kaum eine Chance haben, in den High-Level-Gebieten Fuß zu fassen. Das ist zwar “lore-getreu” (die Großen Häuser beherrschen Arrakis), macht aber für den durchschnittlichen Spieler, der nicht 24/7 mit seiner Gilde online sein kann, das Spielerlebnis frustrierend. Hier muss ein Matchmaking- oder Zonen-System her, das auch kleineren Einheiten eine Daseinsberechtigung gibt.

Trotz dieser Kritikpunkte muss man Funcom zugutehalten, dass sie die Welt von Frank Herbert respektieren. Die Lore-Schnipsel, die man in der Welt findet, und die Art und Weise, wie die Fraktionen interagieren, fühlen sich echt an. Man hat nie das Gefühl, in einem generischen Sci-Fi-MMO zu sein; man ist wirklich auf Arrakis. Die Bedrohung durch die Sandwürmer, die jederzeit aus dem Boden brechen können, wenn man zu viel Lärm macht, sorgt für eine ständige Anspannung, die das Spiel von der Konkurrenz abhebt.

Fazit: Dune: Awakening ist ein Spiel für Geduldige. Wer die Welt von Dune liebt und Spaß an komplexem Basisbau und Survival-Mechaniken hat, wird hier eine neue Heimat finden. Wer jedoch ein schnelles, perfekt ausbalanciertes PvP-Erlebnis sucht, sollte zum aktuellen Zeitpunkt noch vorsichtig sein. Das Fundament ist solide, die Atmosphäre ist Weltklasse, aber der “Messias” der MMOs ist es (noch) nicht. Es ist ein rauer Diamant – oder besser gesagt: ein rauer Sandkorn-Haufen –, der noch einiges an Polishing benötigt, um wirklich zu glänzen.

Für Fans des Genres ist es einen Blick wert, aber man sollte sich auf die raue Wüste einstellen – sowohl spielerisch als auch technisch. Ich werde definitiv weiterbauen, aber ich hoffe, dass die kommenden Patches die gröbsten Ecken und Kanten abschleifen. Arrakis wartet, aber seid gewarnt: Der Sand verzeiht keine Fehler – und die Server aktuell auch nicht.

7.4
/10
GUT

+ PRO

  • +Unglaubliche visuelle Treue und authentisches Dune-Atmosphäre-Design
  • +Komplexes, motivierendes Crafting- und Basisbau-System
  • +Dynamische, unvorhersehbare Sandstürme verändern die Spielwelt spürbar

- CONTRA

  • -Technisch instabile Server-Performance in bevölkerten Zonen
  • -Grind-lastiges Gameplay im Mid-Game, das sich oft wie Arbeit anfühlt
  • -PvP-Balance wirkt aktuell noch unausgegoren und frustrierend für Solospieler

FAZIT

Ein visuell atemberaubendes Dune-Survival-MMO mit starkem Crafting, das unter Grind-Mechaniken und instabilen Servern ächzt.

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