Ernte gut, Technik mies, Der Wind of Anthos bläst kalt
Harvest Moon: The Winds of Anthos Complete sammelt alle DLCs auf dem PC, aber die Basis hat tiefe Risse.
Einleitung: Ein bekannter Name, aber kaum Wiedererkennung
Harvest Moon: The Winds of Anthos Complete ist der aktuelle Versuch von Natsume, die alte Serie am Leben zu erhalten. Entwickelt wurde es von Appci (bekannt für mobile Ableger), was den ersten Warnschuss darstellt. Die „Complete“-Edition vereint Hauptspiel, einen Seasons-Pass und das Luftschiff-DLC, auf dem Papier ein Vollpreis-Angebot, real aber ein Sammelsurium aus Versatzstücken.
Die Prämisse klingt vertraut: Ein Sturm zerstört die Brücken zwischen fünf Inseln, und der Spieler muss die Dörfer durch Geschenke und Handelsrouten wieder verbinden. Dazu gibt es die üblichen Farming-Mechaniken, Tiere und Heiratsoptionen. Was fehlt, ist die Seele der früheren Teile.
Grafik und Performance: Ein pixeliger Sumpf
Die Spielwelt ist bunt, aber technisch auf dem Niveau einer PlayStation-3-Konsole. Texturen laden nach, selbst auf einer NVMe-SSD. Die Framerate schwankt zwischen 30 und 45 fps, getestet auf einem i7-12700K mit RTX 3070. Besonders ärgerlich:
- Ladebildschirme von über 20 Sekunden beim Betreten jedes neuen Gebiets
- Automatische Kamera kippt in Gebäuden auf die Totale, sodass man sich selbst verdeckt
- NPCs frieren gelegentlich mitten in der Animation ein
Die „Complete“-Version bringt keine grafischen Verbesserungen gegenüber dem Original. Lediglich das Luftschiff-DLC läuft stabiler, weil es auf einer eigenen Karte stattfindet.
Gameplay: Viel Arbeit, wenig Belohnung
Das Herz eines Harvest Moon waren immer die täglichen Routinen: Gießen, Füttern, Ernten, Beziehungen aufbauen. Winds of Anthos erweitert das um ein Diplomatie-System zwischen den Inseln, doch die Mechanik ist klobig.
- Jede Insel hat einen „Zufriedenheitswert“, den man durch Geschenke steigert. Die Geschenkvorlieben werden nie im Spiel erklärt; man muss durch Trial-and-Error herausfinden, dass etwa der Schmied Pfefferminztee liebt.
- Das Crafting-System mit 150+ Rezepten ist tief, aber die Rohstoffe liegen auf den Inseln verstreut. Ohne das Luftschiff (DLC) rennt man stundenlang über Landkarten.
- Tiermanagement: Jede der 12 Tierarten hat individuelle Futtervorlieben, eine schöne Idee. Leider bleibt das Futter oft im Inventar hängen, weil man es erst in der Scheune zuweisen muss; die UI ist unübersichtlich.
Die größte Schwäche: Wiederholungsdruck. NPC-Dialoge wiederholen sich bereits nach dem dritten In-Game-Tag. Die fünf Biome sind zwar optisch verschieden (Wüste, Schnee, Dschungel, Savanne, Küste), aber die Aufgaben sind identisch: Bring X zu Y, sammle Z.
Sound und Atmosphäre: Ein schwacher Wind
Der Soundtrack ist funktional, aber nicht einprägsam. Jede Insel hat ein eigenes Thema, das nach 20 Minuten nervt. Die Sprachausgabe ist komplett auf Englisch, und das, obwohl die Store-Beschreibung deutsche Texte verspricht. Es gibt weder deutsche Untertitel noch lokalisierte UI-Elemente. Das ist für ein 2023/24 erschienenes Spiel ein schwerer Patzer.
Die „Complete“-Edition: Mehr Inhalt, mehr Bugs
Die DLCs erweitern das Spiel um den „Windflügel“-Luftschiff und eine Jahreszeiten-Kampagne. Das Luftschiff ist praktisch (schnelle Reise), aber sein Steuerungssystem ist unintuitiv: Man muss mit WASD Höhe und Richtung gleichzeitig regeln, was in engen Tälern zu ständigen Abstürzen führt. Der Jahreszeiten-DLC fügt neue Kulturen hinzu, aber die Aufgaben sind noch repetitiver als im Hauptspiel, ein reiner Grind.
Pro & Contra im Detail
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Crop-Growth-System mit Wettereinflüssen (Regen bewässert Felder automatisch)
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Voll vertonte Hauptquest mit über 30 Sprechern (nur Englisch)
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Tiermanagement: Jede der 12 Tierarten hat individuelle Futtervorlieben
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Crafting-System mit 150+ Rezepten, darunter Gebäudeteile und Dekoration
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Komplettversion enthält das „Windflügel“-Luftschiff und Jahreszeiten-DLC
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Ladebildschirme von über 20 Sekunden beim Betreten jedes neuen Gebiets
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NPC-Dialoge wiederholen sich bereits nach dem dritten In-Game-Tag
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Automatische Kamera kippt in Gebäuden auf die Totale, sodass man sich selbst verdeckt
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Kein deutscher Text oder Untertitel trotz deutscher Spielbeschreibung im Store
Fazit: Ein Windstoß ins Leere
Harvest Moon: The Winds of Anthos Complete bietet den Umfang eines Vollpreistitels, aber die Qualität eines Early-Access-Projekts. Wer die Serie seit dem GameBoy-Klassiker verfolgt, wird die vertraute Formel vermissen, sie steckt hier unter einer Schicht aus Bugs, Ladezeiten und Design-Murks. Der einzige Grund zuzugreifen: absolute Inhaltsgier und die Hoffnung auf Patches. Stand heute lohnt sich der Kauf nicht.
+ PRO
- +Fünf verschiedene Insel-Biome mit eigenem Tagesrhythmus und Erntezyklen
- +Voll vertonte Hauptquest mit über 30 Sprechern (nur Englisch)
- +Tiermanagement: Jede der 12 Tierarten hat individuelle Futtervorlieben
- +Crafting-System mit 150+ Rezepten, darunter Gebäudeteile und Dekoration
- +Komplettversion enthält das „Windflügel“-Luftschiff und Jahreszeiten-DLC
- CONTRA
- -Ladebildschirme von über 20 Sekunden beim Betreten jedes neuen Gebiets
- -NPC-Dialoge wiederholen sich bereits nach dem dritten In-Game-Tag
- -Automatische Kamera kippt in Gebäuden auf die Totale, sodass man sich selbst verdeckt
- -Kein deutscher Text oder Untertitel trotz deutscher Spielbeschreibung im Store
FAZIT
Ein enttäuschender Erntesimulator, der mit technischen Altlasten und liebloser Lokalisierung kämpft, nur für absolute Harvest-Moon-Veteranen zu empfehlen.
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