Historischer Deal genehmigt
Die EU-Kommission hat den Daumen gehoben. Der 55 Milliarden Dollar schwere Leveraged Buyout von Electronic Arts durch ein Konsortium aus Saudi-Arabien, Silver Lake und Jared Kushners Affinity Partners ist kartellrechtlich unbedenklich. Die Behörde stellt fest: Die Übernahme „does not raise competition concerns“, also keine Wettbewerbsbedenken.
Was genau passiert?
- Saudi-Arabien, vertreten durch den Public Investment Fund (PIF), übernimmt gemeinsam mit zwei Finanzinvestoren den Publisher von FIFA, Battlefield und The Sims.
- Der Kaufpreis von 55 Milliarden US-Dollar zählt zu den größten Übernahmen in der Spielegeschichte.
- Die EU-Kommission prüfte den Deal nach den regulären Fusionskontrollverfahren und gab grünes Licht.
EAs Marke und Franchises
Electronic Arts wurde 1982 von Trip Hawkins gegründet und wuchs durch Zukäufe, darunter Origin Systems („Ultima“), Westwood Studios („Command & Conquer“) und BioWare („Mass Effect“, „Dragon Age“). Die drei genannten Marken sind das finanzielle Rückgrat:
- FIFA (seit 2023 als EA Sports FC) generiert jährlich über 2 Milliarden Dollar Umsatz, allein FIFA 23 verkaufte sich mehr als 10 Millionen Mal.
- Battlefield startete 2002 mit „Battlefield 1942“ und erreichte mit „Battlefield 4“ (2013) über 7 Millionen Verkäufe. Der jüngste Teil „Battlefield 2042“ (2021) blieb mit geschätzt 4 Millionen verkauften Einheiten hinter den Erwartungen.
- The Sims begann 2000, der neueste Hauptableger „The Sims 4“ (2014) zählt über 70 Millionen Spieler weltweit, finanziert durch Erweiterungspakete.
Weitere wichtige Studios: Respawn Entertainment („Apex Legends“, „Titanfall“) und DICE (Battlefield-Reihe). EA beschäftigt rund 13.000 Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2024 einen Umsatz von 7,4 Milliarden Dollar.
EU-Prüfung ohne Hürden
Die Kommission sieht den Markt für Videospiele als ausreichend wettbewerbsintensiv. Eine Marktbeherrschung durch den Zusammenschluss sei nicht zu befürchten. Der Schritt war erwartet worden, nachdem Saudi-Arabien bereits massiv in andere Gaming-Firmen wie SNK und Embracer Group investiert hatte.
Saudi-Arabiens Gaming-Strategie
Der Public Investment Fund (PIF) hält Anteile an Nintendo (5,4 %), Take-Two Interactive (8 %), Activision Blizzard und dem chinesischen Konzern Tencent. 2022 gründete das Königreich die Savvy Games Group mit einem Budget von 38 Milliarden Dollar, um Spieleentwickler, E-Sport-Organisationen und Publisher zu akquirieren. Die Übernahme von EA ist der größte Einzeldeal dieser Strategie. Zuvor kaufte PIF den japanischen Entwickler SNK („King of Fighters“) und beteiligte sich an der E-Sport-Plattform ESL/FACEIT. Das Ziel: Diversifizierung weg vom Öl, hin zu Unterhaltung und Soft Power.
Vergleich mit anderen Branchenübernahmen
Mit 55 Milliarden Dollar ist der EA-Deal der zweitgrößte in der Spielegeschichte, nach Microsofts Activision-Blizzard-Übernahme für 69 Milliarden Dollar (abgeschlossen 2023). Take-Two zahlte 2022 12,7 Milliarden für den Mobile-Publisher Zynga. Sony erwarb Bungie (Destiny) für 3,6 Milliarden Dollar. Der EA-Kauf liegt in einer eigenen Größenordnung, getrieben vom Leveraged-Buyout-Modell: Silver Lake und Affinity Partners bringen Fremdkapital ein, der PIF steckt Eigenkapital. Die EU-Prüfung fiel kurz aus, weil EA mit Marktanteilen unter 20 % in den relevanten Märkten (PC, Konsole, Mobile) keine dominante Stellung hat.
Was bedeutet das für EA?
Der Publisher selbst bleibt vorerst operativ unabhängig. Die neue Eigentümerstruktur aus Staatsfonds und Private Equity könnte langfristig strategische Änderungen bringen. Für die laufenden Spiele und Dienste ändert sich kurzfristig nichts. Der PIF kontrolliert inzwischen Gaming-Investitionen mit einem Gesamtwert von über 40 Milliarden Dollar.