Der Roman, der alles veränderte
Es gibt Werke, die ein ganzes Genre aus dem Nichts stampfen. Dieser Roman hier gilt als der Urtext des Cyberpunk, ohne ihn sähe die digitale Ära im Gaming und Film komplett anders aus. Apple hat sich die Rechte an diesem Stück Literatur gesichert und produziert eine Serie.
Die Vorlage inspirierte unzählige Spiele: Cyberpunk 2077, Deus Ex, System Shock. Sogar der Look von The Matrix stammt von hier. Nun soll die Adaption die Geschichte einem neuen Publikum nahebringen.
Studio und Produktion
Apple TV+ setzt die Serie gemeinsam mit zwei erfahrenen Produktionsfirmen um: Skydance Television und Anonymous Content. Skydance produzierte zuletzt die Actionserie Reacher (Prime Video) und die SciFi-Serie The Terminal List. Anonymous Content zeichnet für Mr. Robot und The OA verantwortlich, beides Serien mit komplexen, dystopischen Settings.
Als Showrunner wurde Graham Roland verpflichtet, bekannt für seine Arbeit an Tom Clancy’s Jack Ryan und der Serie The Last Ship. Die Drehbücher stammen von J.D. Dillard (Regisseur von Sleight), der auch die Pilotfolge inszenieren soll. Das Budget für die erste Staffel wird auf rund 150 Millionen Dollar geschätzt, ein Betrag, der Apples Ambitionen im SciFi-Genre unterstreicht.
Frühere Adaptionsversuche
Neuromancer (so der Titel des Romans) ist seit Jahrzehnten ein heißer Kandidat für Verfilmungen. Bereits 1988 sicherte sich Ridley Scott die Option, drehte aber nie. In den 2000ern arbeitete Chris Cunningham an einer Version, die eingestellt wurde. Vincenzo Natali (Regisseur von Cube) war ebenfalls kurz dran.
Der einzige Gibson-Film, der es auf die Leinwand schaffte, war Johnny Mnemonic (1995) mit Keanu Reeves. Er spielte weltweit 19 Millionen Dollar bei einem Budget von 26 Millionen ein und gilt als missglückte Adaption. Seither blieb das Buch unverfilmt, bis Apple.
Klischeevorwürfe gegen die Serie
- Kritiker bemängeln, die Serie bediene genau die Klischees, die das Genre selbst einst prägte.
- Neonregen, totale Überwachung, harte Schwarzmarkt-Cowboys, all das sei in der Vorlage angelegt, wirke in der Serie aber zu plakativ.
- Apple stehe vor der Aufgabe, den Geist des Originals einzufangen, ohne in Selbstparodie abzugleiten.
Die Verantwortlichen müssen zeigen, dass sie mehr liefern als bloße Nostalgie. Die Erwartungen sind enorm.
Branchenkontext und Vergleichstitel
Die Serie startet in einem Umfeld, in dem Cyberpunk wieder boomed. Cyberpunk: Edgerunners (Netflix, 2022) erreichte über 50 Millionen abgerufene Minuten in den ersten Wochen. Altered Carbon (Netflix) lief zwei Staffeln, bevor es wegen sinkender Zuschauerzahlen eingestellt wurde. The Peripheral (Amazon, 2022), ebenfalls nach einem Gibson-Roman, wurde nach einer Staffel gecancelt.
Apple selbst hat mit Foundation eine teure SciFi-Serie am Laufen (Budget über 200 Millionen Dollar für die erste Staffel). Der Druck, eine langlebige Marke aufzubauen, ist hoch. Neuromancer soll als nächstes Flaggschiff dienen.
Warum Gamer aufpassen sollten
- Der Roman ist die geistige Mutter vieler Spielreihen. Wer Cyberpunk 2077 oder Shadowrun mag, sollte das Buch kennen.
- Eine gelungene Serie könnte das Interesse an Cyberpunk-Spielen neu entfachen.
- Gleichzeitig droht eine Flut von uninspirierten Klonen, falls die Serie auf bloße Optik setzt.
Die Adaption steht und fällt mit ihrer Fähigkeit, die düstere Atmosphäre des Originals zu transportieren.
Cyberpunk 2077 verkaufte sich bis Ende 2023 über 25 Millionen Mal. Deus Ex: Human Revolution erreichte 4,3 Millionen Exemplare. Allein diese Zahlen zeigen, wie groß das Potenzial einer glaubwürdigen Serienadaption für die Spielerbasis ist.
Ende mit Substanz
Ob Apple die Klischeevorwürfe entkräften kann, wird sich zeigen. Fest steht: Der Roman sagte die totale Vernetzung voraus, bevor es das Internet gab. Genug Stoff für eine Serie, die mehr sein will als ein weiterer Cyberpunk-Streifen.