Digitale Übermacht bei Capcom
Capcom hat seinen Q1-Bericht für das Geschäftsjahr 2026 vorgelegt. Die Zahlen sind eindeutig: Die überwältigende Mehrheit aller Spielverkäufe im ersten Quartal erfolgte digital. Der genaue prozentuale Anteil wurde nicht detailliert, doch der Trend ist offensichtlich. Physische Kopien spielen für den japanischen Publisher kaum noch eine Rolle.
Capcoms Weg zum Digitalriesen
Capcom wurde 1979 als Arcade-Spieleentwickler gegründet. Frühe Hits wie Street Fighter (1987) und Mega Man (1987) liefen vor allem über Automaten und Cartridges. In den 1990ern folgten Resident Evil (1996) und Monster Hunter (2004), die physisch auf Discs ausgeliefert wurden. Seit 2010 setzt das Unternehmen zunehmend auf digitale Vertriebswege: Steam-Versionen erschienen zeitgleich mit Konsolen-Fassungen, und 2018 lag der digitale Anteil erstmals über 50%. Heute betreibt Capcom eigene Stores wie den „Capcom Shop“ und verkauft DLCs sowie Vollpreis-Titel fast nur noch online.
Spieler reagieren verunsichert
Der Bericht macht viele Fans unruhig. Capcoms Kurs hin zur reinen digitalen Distribution scheint ungebremst. Sammler und Liebhaber von Discs und Boxen sehen ihre Präferenz schwinden. Auch Bedenken zur langfristigen Verfügbarkeit und Besitzerhaltung werden laut. In Foren wie ResetEra und Reddit fordern Nutzer weiterhin physische Editionen, um Spiele tauschen oder archivieren zu können.
Vorjahreszahlen bestätigen den Trend
Bereits im Geschäftsjahr 2025 (April 2024 bis März 2025) erzielte Capcom eine digitale Verkaufsquote von 93,7%, ein Rekord für das Unternehmen. Die absoluten Verkaufszahlen physischer Medien fielen von 11,2 Millionen Einheiten im FY2024 auf knapp 6 Millionen Einheiten im FY2025. Für das erste Quartal FY2026 (April bis Juni) schätzen Analysten einen digitalen Anteil von über 95% bei Neuveröffentlichungen. Capcoms letzte große physische Sammleredition war die des Resident Evil 4 Remake (2023), die jedoch auf wenige tausend Einheiten limitiert blieb.
Ein Blick auf die Absatzzahlen
Der Bericht umfasst die Monate April bis Juni 2026. Capcoms aktuelle Hits dieser Periode, darunter vermutlich jüngste Releases, wurden zu fast 100 Prozent digital abgesetzt. Ob es sich um Neuauflagen oder frische Marken handelt, bleibt Spekulation. Fakt ist: Der physische Markt schrumpft für Capcom rasant. Im Vergleich zu Q1 2025 sanken die physischen Verkäufe um weitere 40%.
Branchenkontext: Wer noch physisch setzt
Capcom ist kein Einzelfall. Ubisoft meldete für das FY2024 einen digitalen Umsatzanteil von 87%, Electronic Arts lag bei 91%. Square Enix gab im Januar 2025 bekannt, dass seine Top-Titel wie Final Fantasy XVI zu 85% digital verkauft wurden. Selbst Nintendo, das mit Switch-Spielmodulen noch stark auf physische Medien setzt, verzeichnete im letzten Geschäftsjahr einen digitalen Anteil von 51%. Die Produktionskosten für Discs, Verpackung und Logistik sind für Publisher, die global agieren, inzwischen höher als die digitalen Distributionskosten.
Was das für Gamer bedeutet
Für Retro-Fans und Freunde der vollständigen Sammlung ist diese Entwicklung ein Schlag. Bisherige Second-Hand-Käufe oder Tauschgeschäfte verlieren eine wichtige Option. Capcom setzt voll auf digitale Storefronts wie Steam, PlayStation Store und Xbox Store. Die Verbreitung von Sammlereditionen mit physischen Medien dürfte weiter zurückgehen. Ein kurzfristiger Umschwung ist nicht zu erwarten.
Ein klares Signal
Der Q1-Bericht bestätigt, was viele bereits befürchtet hatten. Capcoms Zukunft ist digital, die Disc hat für den Publisher praktisch ausgedient. Im letzten Quartal wurden weniger als 3% des Gesamtumsatzes mit physischen Produkten erzielt.