Portal auf, zurück in die Neunziger
Darkstone Restoration wirft uns zurück in eine Zeit, in der Action-RPGs noch aufs Wesentliche reduziert waren. Kein Skill-Tree-Gewirr, keine Open-World-Ablenkung, sondern: Dungeon betreten, Monster zertrümmern, Loot einsacken.
Die soeben veröffentlichte Demo überzeugt mit einem Umfang, der selbst alteingesessene Fans überraschen dürfte. “Open a portal, we're going back”, heißt es in der Ankündigung, und das Portal steht weit offen.
Das Original Darkstone erschien 1999 für Windows und die erste PlayStation. Entwickelt wurde es von Delphine Software, einem französischen Studio, das zuvor mit Another World (1991) und Flashback (1992) Maßstäbe im Cinematic-Plattformer-Genre setzte. Delphine löste sich 2004 auf, die Rechte wanderten über mehrere Stationen zu Microids. Das Restoration-Projekt stammt von Piko Interactive, einem auf Retro-Neuauflagen spezialisierten Studio. Piko brachte zuvor Witchaven (1995) und Blood: One Unit Whole in modernen Fassungen auf den Markt.
Die Geschichte von Darkstone
Darkstone verkaufte sich weltweit über 500.000 Mal, für einen Diablo-Klon der späten Neunziger ein solider Erfolg. Es war eines der ersten Spiele, das prozedural generierte Dungeons mit Echtzeit-Kämpfen kombinierte, noch vor Diablo II (2000). Die vier spielbaren Klassen (Krieger, Magier, Dieb, Mönch) waren direkte Archetypen aus Pen-&-Paper-Vorlagen.
Das Original litt unter technischen Einschränkungen: eine Auflösung von 640x480, keine Direct3D-Unterstützung, ruckelnde Animationen auf damaliger Hardware. Piko Interactive lizenzierte den Quellcode und portierte ihn auf die Unity-Engine. Die Restoration läuft in 4K mit 60 Bildern pro Sekunde, behält aber die originale isometrische Perspektive und die kantigen Charaktermodelle bei, ein bewusster Retro-Look.
Was bietet die Demo?
- Einen spielbaren Charakter aus den vier Klassen (Krieger, Magier, Dieb, Mönch) über mehrere Level hinweg
- Das ursprüngliche Darkstone-Gameplay, angepasst an moderne Auflösungen und Steuerung
- Erste Einblicke in die visuelle Überarbeitung: hochskalierte Texturen, aber erkennbar der Retro-Charme von 1999
Die Demo umfasst drei vollständige Dungeon-Ebenen plus einen Einführungsbereich. Nach Angaben der Entwickler dauert ein Durchlauf etwa zwei Stunden. Die Steuerung unterstützt Maus + Tastatur sowie Gamepad, letzteres wird mit einem Radial-Menü für Fertigkeiten ergänzt. Der Einstieg ist simpel: Man wählt seinen Helden, betritt das erste Dungeon und wird sofort von Goblin-Horden und Skeletten begrüßt. Keine Tutorial-Flut, keine Zwischensequenzen. Einfach Hack & Slay, wie es damals war.
Warum sich der Download lohnt
Die Demo zeigt, dass Darkstone Restoration nicht einfach eine lieblose Neuauflage ist. Stattdessen wurde der Code der Urversion genommen, aufpolieren und mit kleinen QoL-Features versehen.
- Feste isometrische Perspektive und echte Echtzeit-Kämpfe, kein Pausieren, keine Strategie-Pause
- Generierte Dungeons in jedem Durchlauf anders, das macht Wiederholungen frisch
- Derber Humor und schräge NPCs, die an die wilden Neunziger erinnern
Wer die originalen Diablo-Titel liebt oder sich nach den einfacheren Zeiten des Genres sehnt, sollte die Demo nicht verpassen. Das komplette Spiel wird als kostenpflichtiger Release folgen, aber der Probiergang ist bereits jetzt erstaunlich generös.
Im aktuellen Marktumfeld hebt sich Darkstone Restoration von Titeln wie Grim Dawn (2016) oder Last Epoch (2024) ab, die komplexe Skill-Systeme und Crafting bieten. Hier gibt es genau drei Attribute (Stärke, Geschicklichkeit, Magie) und keine Fertigkeitenbäume. Jede Waffe hat einen einzigen Angriffsmodus. Das ist bewusster Minimalismus, keine Sparversion.
Kein Tamtam, nur Action
Es gibt keine Cutscenes, keine epische Geschichte über die Rettung der Welt, nur einen verfluchten Kontinent, finstere Katakomben und jede Menge Monster. Genau das, was der Begriff „straightforward“ verspricht.
Darkstone Restoration setzt bewusst auf Minimalismus. Und die Demo beweist: Manchmal reicht ein Schwert, ein Zauber und ein voller Inventar-Rucksack für ein perfektes Retro-Wochenende.
Piko Interactive plant den vollständigen Release für das dritte Quartal 2025 zum Preis von 19,99 Euro. Ein Multiplayer-Modus (nur lokaler Koop wie im Original) wird nachgeliefert. Die Demo ist auf Steam und GOG verfügbar und benötigt 2,5 GB Speicherplatz.