Der Wunsch der Fans trifft auf die Realität
Bungie ignoriert den Ruf der Community nach einer technischen Neuausrichtung durch Destiny 3. Die aktuelle Strategie des Studios priorisiert die Stabilität von Destiny 2 gegenüber einer riskanten Migration auf eine neue Architektur.
Historie und Entwicklung: Das Erbe von Bungie
Das in Bellevue, Washington, ansässige Studio erlangte durch die Halo-Reihe Weltruhm, bevor sie 2010 einen Vertrag mit Activision für das Destiny-Franchise unterzeichneten. Nach der Trennung von Activision im Jahr 2019 agiert Bungie als unabhängiger Entwickler unter dem Dach von Sony Interactive Entertainment.
- Marathon (1994): Der erste große Sci-Fi-Shooter des Studios.
- Halo: Combat Evolved (2001): Begründete den Erfolg der Xbox.
- Destiny (2014): Der erste Versuch, ein "Shared-World-Shooter"-Modell im Konsolenmarkt zu etablieren.
Was die Community fordert
Spieler kritisieren seit Jahren die technische Alterung des Codes, der maßgeblich auf der für Halo: Reach entwickelten Engine basiert. Die Forderungen nach einem dritten Teil basieren auf dem Wunsch nach einem sauberen Schnitt.
- Eine neue Engine-Architektur zur Reduzierung der Ladezeiten und Fehleranfälligkeit.
- Vollständige Überarbeitung der Charakter-Progression, die aktuell durch über zehn Jahre alte System-Relikte eingeschränkt ist.
- Ein neues Wirtschaftssystem, um die Inflation von In-Game-Währungen und Materialien zu stoppen.
Der aktuelle Status bei Bungie
Die interne Ressourcenverteilung konzentriert sich auf die Pflege von Destiny 2 sowie die Entwicklung des Extraktions-Shooters Marathon. Berichte von Insidern wie Jason Schreier bestätigen, dass ein Projekt mit dem Codenamen "Payback" (ein geplanter dritter Teil) zugunsten des Live-Service-Erhaltes eingestellt wurde.
- Destiny 2: Final Shape bildet den Abschluss der zehnjährigen Licht-und-Dunkelheit-Saga.
- Fokus liegt auf "Frontiers", einem neuen Inhaltsmodell für das laufende Spiel.
Warum das für Frust sorgt
Die sogenannte "Content Vault" (das Löschen alter Erweiterungen wie Red War) bleibt ein Streitpunkt. Spieler sehen in einem neuen Teil die einzige Möglichkeit, entfernte Inhalte in einem modernen technischen Rahmen zurückzubringen.
- Das Balancing von Waffen leidet unter der schieren Masse an existierenden Perk-Kombinationen.
- Technische Schulden führen bei jedem größeren Patch zu unvorhersehbaren Problemen in alten Spielmodi.
Die technische Hürde
Die Tiger Engine von Bungie ist für die aktuelle Komplexität von Destiny 2 an ihrer Belastungsgrenze. Änderungen am User-Interface oder an der Waffen-Physik ziehen oft Wochen an QA-Tests nach sich, da interne Abhängigkeiten zwischen den Systemen seit der Veröffentlichung im Jahr 2017 extrem gewachsen sind.
- Die Architektur ist nicht auf das heutige Volumen von 100 Gigabyte an Daten optimiert.
- Ein Engine-Wechsel käme einer kompletten Neuentwicklung des Spiels gleich, was die Kosten für das Studio in den dreistelligen Millionenbereich treiben würde.
Branchenkontext und Vergleich
Andere Live-Service-Titel wie Warframe wählen einen anderen Weg und aktualisieren ihre Engine kontinuierlich über Jahre hinweg. Overwatch 2 hingegen zeigt die Risiken eines Sequels: Die Umstellung auf eine neue Engine führte bei der Veröffentlichung zu langen Ausfallzeiten und einer kontroversen Monetarisierung, die viele Spieler des ersten Teils verprellte.
- The Division 2 erhielt nach Jahren ein Upgrade auf eine neuere Version der Snowdrop-Engine, ohne einen Nachfolger zu erzwingen.
- Die Abhängigkeit von Sony zwingt Bungie dazu, die monatlichen Nutzerzahlen von Destiny 2 stabil zu halten, anstatt das Risiko eines Neuanfangs einzugehen.
Fazit zur Situation
Bungie setzt auf die Maximierung des Lifetime-Values von Destiny 2, anstatt das Risiko einer Marktsättigung durch einen dritten Teil einzugehen. Die Entwicklung von Marathon dient als Diversifikations-Strategie für das Studio, während die Marke Destiny als reines Service-Produkt weitergeführt wird. Aktuelle Stellenausschreibungen deuteten zuletzt auf den Aufbau eines kleinen Teams für ein neues, unangekündigtes Projekt hin, jedoch ohne direkten Bezug zu einem Nachfolger der Weltraum-Saga.