GBS-C: Schluss mit ruckelnden Retro-Bildern
Wer eine PS2 an einem aktuellen 4K-Fernseher betreibt, kennt das Problem: Interlaced 480i-Signale erzeugen ein flimmerndes, unruhiges Bild, das selbst Klassiker wie Shadow of the Colossus oder Gran Turismo 4 kaum genießbar macht. Der GBS-C greift hier mit einer speziellen Technik ein, ohne das Budget zu sprengen.
Die Geschichte des GBS-8200
Der GBS-C baut auf dem GBS-8200 auf, einem Scan-Konverter, der ab 2008 von der chinesischen Firma Guangzhou Bian Shi (GBS) in Massen produziert wurde. Ursprünglich für professionelle Videowände und Überwachungstechnik entwickelt, lag der Preis unter 30 Euro. Retro-Spieler entdeckten das Board als günstigen Weg, analoge Signale auf HDMI zu bringen, doch die Standard-Firmware lieferte starke Artefakte und Ruckler.
Die entscheidende Wende kam 2021: Eine Gruppe von Entwicklern um Artemio und R.G.B. (die anonym bleiben) veröffentlichte eine modifizierte Firmware namens GBS-C. Sie ersetzte die eingebaute Deinterlacing-Logik durch einen bewegungsadaptiven Algorithmus, der speziell auf die 480i-Ausgabe von PlayStation 2 und anderen Konsolen abgestimmt war. Die Hardware blieb identisch, nur der Code änderte sich.
Was macht den GBS-C besonders?
- Motion-Adaptive Deinterlacing: Der Chip analysiert die Bewegung in jedem Frame und wählt dynamisch die beste Methode, um die beiden Halbbilder zu einem Vollbild zusammenzusetzen. Das eliminiert das berüchtigte Jitter-Flimmern.
- Erschwinglicher Preis: Während High-End-Upscaler wie der RetroTINK 5X oder der OSSC schnell 300 Euro kosten, liegt der GBS-C bei rund 60 bis 80 Euro (Board und Upgrade-Kit inklusive).
- Einfache Inbetriebnahme: Anschluss erfolgt per Component- oder RGB-Kabel an der PS2, Ausgabe über HDMI. Stromversorgung per USB, kein Netzteil nötig.
- Community-getrieben: Das Projekt wird über GitHub und Foren wie shmups.system11.org gepflegt. Updates sind kostenlos, Anleitungen und Fehlerbehebungen werden von Nutzern geteilt.
Für wen lohnt sich der Kauf?
- PS2-Besitzer mit modernen OLED- oder LCD-Bildschirmen, die unter dem 480i-Flimmern leiden.
- Retro-Fans mit kleinem Budget, die keine 200 Euro und mehr für einen Profi-Upscaler ausgeben wollen.
- Alle, die ein flüssiges, stabiles Bild ohne störendes Jitter suchen, ohne sich mit komplizierten Einstellungen herumzuplagen.
Eine Einschränkung gibt es: Der GBS-C skaliert lediglich auf 480p oder 960p, nicht auf 1080p oder 4K. Für die meisten PS2-Titel ist das jedoch völlig ausreichend, da die Spiele grafisch ohnehin für niedrige Auflösungen optimiert sind.
Einordnung: Günstig, aber nicht perfekt
Der GBS-C konkurriert mit drei etablierten Upscalern:
- RetroTINK 5X (275 US-Dollar, 2021 von Mike Chi entwickelt): Nutzt einen FPGA-Chip, skaliert auf 4K, bietet Scanlines, aber kostet das Vierfache.
- OSSC (Open Source Scan Converter, ca. 180 Euro): Liefert rohe Zeilenverdopplung (bis 1080p), benötigt aber externe Netzteile und hat kein bewegungsadaptives Deinterlacing.
- Framemeister XRGB-Mini (ca. 400 Euro gebraucht): Galt lange als Referenz, ist aber veraltet und produziert bei 480i teilweise Artefakte.
Der GBS-C schlägt die Konkurrenz vor allem beim Preis-Leistungs-Verhältnis: Ein GBS-8200-Board kostet neu 25 Euro, die Firmware ist kostenlos. Wer löten kann, spart noch mehr. Allerdings fehlt die einfache Plug-and-Play-Funktion des RetroTINK, oft müssen Nutzer Taktwerte manuell anpassen.
Vorgänger und Alternativen
Vor dem GBS-C gab es den GBS-8220 (2013), eine Variante mit etwas anderem Chipsatz, aber identischer Problemfirmware. Parallel existiert das GBS-Control-Projekt, das eine grafische Oberfläche für Einstellungen bereitstellt. Echte Profis greifen zum RetroTINK 5X Pro oder Morpheus 2 (einem FPGA-Upscaler für 550 Euro). Für PS2-Spiele mit progressivem 480p-Signal (z. B. Gran Turismo 4 im 1080i-Modus) reicht sogar ein simpler HDMI-Konverter für 15 Euro, das Flimmern tritt nur bei interlaced Inhalten auf.
Laut Messungen der Community reduziert der GBS-C die Jitter-Amplitude von typisch 2–3 Pixeln auf unter 0,5 Pixel. Das ist messbar, aber nicht perfekt: Bei schnellen Kamerafahrten in Burnout 3 oder God of War II zeigen sich gelegentlich leichte Kantenflimmern. Das akzeptieren die meisten Nutzer für den niedrigen Preis.
Kein Allheilmittel, aber ein starkes Argument
Der GBS-C löst nicht jedes Problem der PS2 auf modernen Bildschirmen, Kanten bleiben kantig, Texturen sind grob. Aber das unangenehme Bildzittern gehört damit der Vergangenheit an. Wer günstig in sauberes Retro-Gaming einsteigen will, bekommt hier eine praktikable Lösung. Die entscheidende Frage bleibt, ob der Aufwand für manuelle Einstellungen in Kauf genommen wird, das GBS-Control-Tool erfordert grundlegende Kenntnisse von Zeilenparametern und Taktraten.