HBO geht baden, im Sumpf der Kurzclips
Laut einem Bericht von Kotaku (Mai 2024) stellt sich der Pay-TV-Primus HBO jetzt endgültig in die Reihe derer, die auf „short-form junk“ setzen. Jene Inhalte, die man sonst von TikTok, YouTube Shorts oder Instagram Reels kennt, werden nun auch vom Haus des Game of Thrones und The Last of Us umarmt.
HBO, 1972 von Charles Dolan gegründet, baute seinen Ruf mit preisgekrönten Serien wie The Sopranos und The Wire auf. Der Schritt zu Kurzclips folgt auf die Fusion mit Discovery im Jahr 2022, die den Konzern Warner Bros. Discovery mit rund 47 Milliarden Dollar Schulden belastete. Die kurzfristige Strategie dient der Kostensenkung: Statt 15 Millionen Dollar pro House of the Dragon-Folge zu investieren, liefern 15-Sekunden-Clips auf Instagram quotenfreie Reichweite für unter 10.000 Dollar Produktionskosten.
Früher stand HBO für prestige-trächtige Serien, die man auf dem Sessel zelebrierte. Heute will der Sender offenbar auch in der „Slop“-Liga mitspielen, ein Begriff, der bei Gamern oft für billig produzierte, schnell konsumierbare Inhalte steht. Konkret plant HBO laut Kotaku, exklusive Kurzclips aus bestehenden und kommenden Serien auf TikTok, Reels und YouTube Shorts zu veröffentlichen. Ein Pilotprojekt mit Succession-Ausschnitten erreichte auf TikTok bis zu 5 Millionen Aufrufe pro Clip.
Was bedeutet das für Gamer?
- Kurze Clips aus HBO-Serien und -Filmen werden jetzt wohl auf allen Plattformen landen
- Momentaufnahmen aus The Last of Us (der Serie) auf Instagram? Jetzt offiziell erwünscht
- Das passt zum Trend: Kein Publisher, kein Streamer kann sich gegen den Kurzvideo-Wahn wehren
Die HBO-Serie The Last of Us (2023) generierte auf Instagram Reels in den ersten zwei Monaten über 100 Millionen Views. Das sind Aufrufe, die keine Abonnement-Einnahmen bringen, aber die Marke in der TikTok-Zielgruppe (12–24 Jahre) präsent halten. Für Fans von HBO-Serien mit Gaming-Bezug heißt das: Die Inhalte werden noch fragmentierter. Wer 20 Minuten Ruhe will, sucht sich eine DVD. Aber wer will das noch? Die Serie Halo (2022 auf Paramount+, nicht HBO) verlor nach der ersten Staffel 40 Prozent der Zuschauer, teilweise, weil der Sender keine kurzen Teasern auf Plattformen wie TikTok platzierte, wo die jüngere Zielgruppe abhängt.
Auch das geplante Fallout-Projekt, ursprünglich von HBO als Serie anvisiert, dann aber von Amazon Prime übernommen, zeigt den Druck: Amazon setzte bereits vor dem Start auf eine Flut von Kurzclips auf Twitch und YouTube, die 50 Millionen Vorschauen generierten. HBO zieht nun nach, um bei künftigen Gaming-Adaptionen nicht den Anschluss zu verlieren.
Der Preis der Aufmerksamkeit
HBO tut das, was jeder andere auch macht: kurz, dreckig, sofort. Kein Wunder, dass sich die alteingesessenen TV-Schwergewichte dem Hofnarren des Internets unterwerfen. Die Logik ist simpel: Lange Inhalte verlieren gegen den ständigen Konsum von Häppchen.
TikTok-Nutzer verbringen durchschnittlich 95 Minuten pro Tag in der App. Zum Vergleich: Eine einzelne Game of Thrones-Episode dauert 55 Minuten. HBOs Abonnentenzahlen stagnieren: Warner Bros. Discovery meldete für Q1 2024 rund 97 Millionen globale Streaming-Abonnenten, ein Minus von 1,8 Millionen im Vorjahresvergleich. Kurzclips sind der günstige Versuch, verlorene Aufmerksamkeit zurückzukaufen, ohne die teuren Produktionen skalieren zu müssen.
Wir erinnern uns an Zeiten, als HBO-Straßenwerbung für eine 15-minütige Pilotfolge reichte. Heute muss ein sechssekündiger Clip reichen, sonst scrollt der Nutzer weiter. The King of Cable wird zum Bauern im Reich des Short-Form-Contents, genau wie alle anderen.