Ein Name, der aufhorchen lässt
Mike Flanagan soll „bald mit dem Drehbuch beginnen“, so die aktuelle Meldung von PCGamer. Der Horror-Spezialist, bekannt für Serien wie The Haunting of Hill House und Midnight Mass, steigt damit in das Warhammer-40,000-Projekt ein, das Henry Cavill bei Amazon Studios betreut.
Bislang war es still um das ambitionierte Vorhaben. Cavill, bekennender Warhammer-Fan und Executive Producer, suchte offenbar nach der richtigen kreativen Hand. Mit Flanagan scheint Amazon nun einen Autor gefunden zu haben, der das dunkle, gotische Universum des 41. Jahrtausends versteht.
Wer steckt hinter der Produktion?
Amazon Studios hat die Serienrechte 2022 von Games Workshop erworben. Der Deal soll laut Branchenberichten einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag umfassen, plus erfolgsabhängige Boni. Zum Vergleich: Amazon zahlte für die Herr der Ringe-Rechte rund 250 Millionen Dollar.
- Entwickler ist Amazon MGM Studios, zuständig für Citadel, The Boys und Fallout.
- Showrunner oder Produktionsfirma wurden noch nicht offiziell genannt. Flanagan fungiert zunächst als Drehbuchautor.
- Cavill ist über seine Firma Promethean Productions als Executive Producer eingebunden.
Das Team hinter Fallout (Jonathan Nolan, Lisa Joy) hatte ebenfalls einen langen Anlauf gebraucht, von Ankündigung bis Drehstart vergingen drei Jahre. Das Warhammer-40,000-Projekt liegt aktuell bei anderthalb Jahren ohne sichtbaren Fortschritt.
Was wir über Flanagans Rolle wissen
- Flanagan wird das Skript für die Serie verfassen, das bestätigen Quellen gegenüber PCGamer.
- Ein konkreter Drehstart oder ein Veröffentlichungsfenster wurden nicht genannt.
- Cavill bleibt als Executive Producer an Bord und soll auch die Hauptrolle übernehmen.
Der Regisseur ist bekannt für dichte, charaktergetriebene Horrorgeschichten. Seine Arbeit an The Fall of the House of Usher zeigt, dass er mit düsteren Familienepen und komplexen Machtstrukturen umgehen kann, eine Fähigkeit, die in der Welt des Imperiums Gold wert ist.
Frühere Versuche einer Warhammer-40,000-Serie
Games Workshop hat mehrfach Adaptionen lizenziert, die nie das Licht der Welt erblickten:
- 2005: Eine Eisenhorn-Serie wurde angekündigt, aber nie produziert.
- 2010: Der Ultramarines-CGI-Film (Direktveröffentlichung) kostete rund 8 Millionen Dollar, spielte kaum 1 Million ein und wurde von Fans verrissen.
- 2019: Ein Warhammer 40,000-Film von Frank Miller (Sin City) war in Planung, blieb aber Konzeptstadium.
- 2020: Der Fanfilm Astartes (von Einzelperson erstellt) erreichte 10 Millionen Aufrufe, Games Workshop stellte den Schöpfer ein, aber eine kommerzielle Serie kam nicht.
Die einzige durchgängig erfolgreiche audiovisuelle Adaption bleibt Warhammer+, Games Workshops eigener Streamingdienst mit Animationskurzen (z.B. Hammer and Bolter). Die Abozahlen wurden nie veröffentlicht, Schätzungen gehen von unter 100.000 Abonnenten aus.
Warum das jetzt wichtig ist
- Das Projekt galt nach der Ankündigung 2022 als „in der Schwebe“, viele Fans fürchteten eine Einstellung.
- Flanagans Beteiligung ist das erste konkrete Lebenszeichen seit Monaten.
- Sein Stil passt zur Ästhetik von Warhammer 40,000: gotischer Horror, Körperverfall, fanatischer Glaube und galaktische Dekadenz.
Ob die Serie eine der großen Space-Marine-Orden oder die politischen Intrigen des Imperiums beleuchtet, bleibt offen. Flanagan selbst hat sich bislang nicht öffentlich dazu geäußert.
Branchenkontext: Adaptionen unter Druck
Die Messlatte für Sci-Fi-Serien ist hoch. Fallout (Amazon) erreichte in der ersten Woche 65 Millionen Streaming-Minuten, The Witcher (Netflix) startete mit 76 Millionen. Warhammer 40,000 hat eine treue, aber kleinere Kerncommunity, etwa 4 Millionen aktive Tabletop-Spieler weltweit (Quelle: Games Workshop-Geschäftsbericht 2023). Videospiele wie Space Marine 2 (2024) verkauften über 2 Millionen Einheiten und zeigten, dass das Interesse groß ist, aber kein Massenpublikum wie Star Wars erreicht wird.
Amazon hat gelernt, teure Adaptionen früh zu beenden: The Peripheral (2022) wurde nach einer Staffel eingestellt, obwohl die Einschaltquoten okay waren. Ein Drehbuch von Flanagan ist noch kein Produktionsgrün. Der Autor selbst hat Erfahrung mit Serien, die nach zwei Staffeln endeten (Midnight Mass, The Midnight Club). Sein Vertrag bei Netflix lief 2023 aus; er unterschrieb einen Exklusivdeal mit Amazon, was die Warhammer-Übernahme erklären könnte.
Ein echter Hingucker für Warhammer-Fans
Henry Cavill hatte schon früher betont, dass er eine möglichst werkgetreue Adaption anstrebt. Mit Flanagan bekommt er einen Autor, der keine Angst vor langen Monologen, ritueller Gewalt oder metaphysischem Horror hat.
Bleibt die Frage, ob Amazon dem Projekt nun endlich grünes Licht für die Produktion gibt. Ein Drehbuchtermin ist der erste Schritt, aber noch kein Garant für ein fertiges Drehbuch. Die Warhammer-Community wird die nächsten Ankündigungen genau verfolgen.