Zombie-Babys und Messer-Augen: Das steckt hinter Ills radikaler Gewalt
Der Trailer zu Ill zeigt eine Szene, in der ein Zombie-Baby-Schädel zertrümmert wird, gefolgt von einem Messerstich ins Auge. Der Director des Titels stellt im Gespräch mit PCGamer klar: „Unser Spiel ist kein Gore-Porno.“ Die expliziten Szenen seien kein Selbstzweck, sondern dienten dem Aufbau von Unbehagen und Atmosphäre. Als große Inspirationsquelle nennt er Half-Life 2s Ravenholm.
Entwickelt wird Ill vom deutschen Studio Red Ivy Games, gegründet 2017 von ehemaligen Crytek-Mitarbeitern. Das Team veröffentlichte 2019 den First-Person-Horror Marrow, ein Spiel über eine verlassene Forschungsstation in der Arktis. Marrow verkaufte laut eigenen Angaben rund 150.000 Exemplare bei einem Metacritic-Score von 74. Ein DLC Marrow: Descent folgte 2021. Seither arbeitete das 14-köpfige Studio an einem neuen Projekt, eben Ill. Das Budget liegt im unteren siebenstelligen Euro-Bereich, finanziert über Publisher Headup Games und einen Epic Mega Grant.
Warum Ravenholm? Die Lektion eines Meisterwerks
Ravenholm gilt bis heute als Musterbeispiel für Horror, der im Kopf stattfindet, trotz alter Grafik. Der Director erklärt: „Wir tun unser Bestes, genau denselben Effekt zu erzielen, aber mit modernen Standards.“ Das bedeutet: nicht nur Schock durch explizite Bilder, sondern Spannung, Bedrohung und ein Gefühl der Trostlosigkeit.
Half-Life 2 (2004) nutzte in Ravenholm physikbasierte Interaktionen, um Spieler in Fallen zu locken: eine umgestoßene Leiter, ein knarzender Boden, nie zeigte das Spiel explizite Zerstückelung. Ill setzt dagegen auf fotorealistische Gore-Effekte in Unreal Engine 5. Der Director räumt ein, dass die Grenze zur Provokation fließend sei. Vergleichbare Titel wie Scorn (2022) oder The Last of Us Part II (2020) zeigten ebenfalls extreme Gewalt, aber betteten sie in narrative Kontexte. Scorn verkaufte 2 Millionen Einheiten, The Last of Us Part II über 10 Millionen. Der Branchentrend geht zu expliziteren Darstellungen, doch die wenigsten Spiele erreichen die atmosphärische Dichte von Ravenholm.
Ein schmaler Grat zwischen Kunst und Provokation
Die Entwickler sind sich bewusst, dass sie mit den brutalen Szenen eine rote Linie berühren. Der Director betont, dass alles im Dienst einer durchdachten Horror-Erfahrung steht, nicht als reiner „Gore-Porno“. Ill will verstören, aber nicht abstoßen. Die Ästhetik erinnert an die dreckigen, knarrenden Gassen von Ravenholm, nur in schärferer Auflösung.
Konkret bedeutet das: Die Spielerfigur ist keine Kampfmaschine, sie flieht, versteckt sich, improvisiert. Waffen sind rar, Munition knapp. Jeder Angriff fühlt sich verzweifelt an. Das Team orientiert sich an Amnesia: The Bunker (2023), das mit 500.000 Verkäufen einen ähnlichen Ansatz verfolgte: den Spieler wehrlos zu machen. Red Ivy Games testete die Szenen intern mit Fokusgruppen und strich zwei Sequenzen, die als „übergriffig“ empfunden wurden, darunter eine Folterszene, die nicht im Trailer auftaucht. Der Release von Ill ist für Oktober 2025 auf PC, Xbox Series und PlayStation 5 geplant. Eine Altersfreigabe ab 18 Jahren gilt als sicher.