Ein visuelles Abenteuer mit Biss
Lunarium hat sich leise auf Steam eingeschlichen, und könnte leicht in der Flut neuer Veröffentlichungen untergehen. Dabei bietet das Action-RPG eine seltene Mischung: wunderschön gezeichnete 2D-Welten mit dem knallharten Kampfsystem eines Sekiro. Entwickelt wurde es von Mirage Forge, einem französischen Fünf-Personen-Team aus Lyon. Deren vorheriges Projekt Ashen Solace (2020) war ein lineares 2D-Adventure mit 87 % positiven Steam-Bewertungen, das auf knapp 10.000 verkaufte Einheiten kam. Lunarium entstand über drei Jahre, finanziert durch ein staatliches Förderprogramm für Indie-Entwickler.
Zwei Mädchen stehen im Mittelpunkt. Sie kämpfen nicht mit Zaubern oder Fernwaffen, sondern mit präzisen Pariaden und tödlichen Kontern, genau wie in FromSoftwares Meisterwerk. Die Entwickler veröffentlichten während der Produktion ein Gameplay-Diary auf YouTube, in dem sie zeigen, wie das Parry-Fenster von 12 auf 8 Frames reduziert wurde. Ein Interview mit Lead Designerin Camille Roux bestätigt: „Wir haben 18 Monate nur das Kampfsystem getunt. Jeder Frame zählt.“ Das Studio setzt auf eine eigene Engine, die speziell für Subframe-Inputs optimiert wurde.
Zwischen Melancholie und Härte
- Die Atmosphäre erinnert an Nier: verlassene Ruinen, elegische Musik, eine stille Traurigkeit.
- Das Kampfsystem ist Soulslike: jeder Fehlschlag bestraft, jeder perfekte Block belohnt.
- Die Grafik ist handgezeichnet und detailverliebt, fast wie ein animiertes Gemälde.
Lunarium versteht sich darauf, Ruhe und Spannung perfekt zu balancieren. Man erkundet düstere Hallen, trifft auf groteske Kreaturen und muss jeden Schritt abwägen. Der Soundtrack stammt von Lena Raine (bekannt durch Celeste), ein Fact, den Mirage Forge erst nach der Veröffentlichung bestätigte. Die Spielzeit liegt bei 8 bis 10 Stunden, je nach Parry-Fähigkeit. Ein Speedrun-Community-Tool ist bereits integriert. Die Entwickler planen einen Boss-Rush-Modus als kostenloses Update.
Warum ihr jetzt zuschlagen solltet
Steam ist voll mit Indie-Titeln. Doch Lunarium sticht durch seine Kombination aus erzählerischer Tiefe und knackiger Mechanik hervor. Kein aufgeblasenes Skilltree-System, keine sinnlosen Loot-Runs, stattdessen reine, fordernde Action. Vergleiche mit Furi (2016) oder Katana Zero (2019) liegen nahe, doch Lunarium setzt auf durchgehende Level-Erkundung statt reine Boss-Arenen. Im Branchenkontext fällt auf: Viele 2D-Soulslikes wie Ender Lilies (2021) oder The Last Faith (2023) setzen auf Metroidvania-Karten. Lunarium ist linearer, aber mit mehr Fokus auf einzelne Kämpfe. SteamDB zeigt 2.300 gleichzeitige Spieler am Release-Wochenende, ein solider Wert für ein Spiel ohne Publisher.
Die Entwickler haben offenbar genau verstanden, was Sekiro so besonders macht: das Gefühl, nach jedem perfekten Parierschlag ein Stück stärker zu werden. Mirage Forge teilte mit, dass sie über 40 verschiedene Gegnertypen programmiert haben, jeder mit eigenen Angriffs-Mustern. Ein Day-One-Patch erhöhte die Schwierigkeit auf Wunsch der Beta-Tester.
Für wen ist Lunarium gedacht?
- Fans von Nier: Automata, die eine ähnlich melancholische Welt suchen.
- Spieler, die in Sekiro oder Dark Souls stundenlang Parry-Timing geübt haben.
- Alle, die einen kompakten, storygetriebenen Titel ohne Overkill schätzen.
Lunarium ist kein weiteres 100-Stunden-Epos. Es ist ein präzises, atmosphärisches Erlebnis, das man an einem Wochenende durchspielen kann, und das noch lange nachhallt. Preislich liegt es bei 14,99 € (10 % Rabatt in der ersten Woche). Das ist unter dem Durchschnitt vergleichbarer Indie-Titel wie Blasphemous 2 (29,99 €) und Ender Lilies (24,99 €). Die Spielerzahlen sind trotzdem niedrig: Durchschnittlich 400 gleichzeitige Nutzer in Woche zwei. Der Grund liegt in der fehlenden Publisher-Präsenz, Mirage Forge bewirbt nur über Discord und Reddit.
Ein Geheimtipp mit Schlagkraft
Die Steam-Bewertungen sind bislang positiv, doch die Sichtbarkeit ist gering. Wer auf der Jagd nach dem nächsten Hit ist, sollte nicht zögern. Lunarium bietet genau das, was die Schlagzeile verspricht: die Schönheit von Nier, die Härte eines Soulslikes, und zwei Heldinnen, die man nicht vergisst. Bisher 230 Rezensionen, 96 % positiv. Die negative Minderheit kritisiert die fehlende Sprachausgabe und eine gelegentliche Ladezeit von 5 Sekunden zwischen Arealen. Mirage Forge hat für April einen Patch angekündigt, der die Ladezeiten um 40 % senken soll. Kein Wort zu einer Konsolenversion, das Budget reicht nicht.