Miyamoto spricht Klartext
Shigeru Miyamoto, Schöpfer von Mario und Zelda, sieht einen grundlegenden Wandel in der Gaming-Szene. In einem Gespräch mit Kotaku äußerte er die Überzeugung, dass Spieler immer weniger Wert auf Hardware-Spezifikationen legen. Miyamoto arbeitet seit 1977 bei Nintendo, begann als Zeichner für Arcade-Spiele wie Donkey Kong und prägte die Philosophie, dass ein Spiel zuerst Spaß machen muss, bevor man an Grafik denkt. Bereits 1996 sagte er in einem Interview mit Edge Magazine, dass er Spieler nicht mit Polygonzahlen ködern wolle, ein Satz, der sich nun bestätigt.
Rasante Framrates, 8K-Auflösung oder Raytracing? Für viele Gamer scheinen diese Features nicht mehr das Kaufargument zu sein, das sie einst waren. Miyamoto vermutet, dass der Fokus wieder auf dem Gameplay liegt, und die Zahlen geben ihm recht. Die Wii (2006) mit ihrer schwachen Hardware und der Bewegungssteuerung verkaufte sich über 101 Millionen Mal, während die leistungsstärkere PS3 bei 87 Millionen blieb. Nintendos Erfolgsrezept war nie rohe Power, sondern spielerische Neuerungen.
Hardware-Lust ade?
- Die Nintendo Switch verkaufte sich bis März 2024 über 146 Millionen Mal, trotz eines Tegra-X1-Chips von 2015 und einer Auflösung von maximal 1080p im Dock-Modus.
- Auch die Switch 2, mit moderaten Specs und einem angepassten Nvidia-Chip, startete 2025 mit geschätzten 12 Millionen Einheiten im ersten Quartal, ohne das Grafik-Wettrüsten mitzureiten.
- Indie-Titel mit pixeliger Optik erreichen ein großes Publikum: Stardew Valley (8-Bit-Optik) verkaufte sich über 30 Millionen Mal, Vampire Survivors (Retro-Pixel) über 5 Millionen, während manche Triple-A-Grafikmonster wie Forspoken (geschätzte 2 Millionen Verkäufe bei 100 Millionen Dollar Budget) floppten.
Miyamoto selbst hat schon immer betont, dass ein gutes Spiel nicht von der Polygonzahl abhängt. Seine Aussage spiegelt diese Haltung wider: Die Ära, in der allein die Technik die Kaufentscheidung bestimmte, scheint vorbei. Nintendos hauseigene Engine, die auf der Switch oft nur 30 fps liefert, wird von Spielern hingenommen, solange die Spielmechanik stimmt, wie bei Super Mario Odyssey, das 2017 28 Millionen Einheiten erreichte.
Ein Trend, der sich bestätigt
Die Belege für Miyamotos These sind vielfältig. The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom lief auf alter Switch-Hardware mit 30 fps und dynamischer Auflösung, verkaufte sich aber über 20 Millionen Mal in den ersten 18 Monaten. Auch Animal Crossing: New Horizons profitierte nicht von High-End-Grafik, sondern von seinem sozialen Gameplay, 42 Millionen verkaufte Einheiten stehen zu Buche. Sony und Microsoft setzen hingegen weiter auf Leistung: Die PS5 (59 Millionen Verkäufe bis Ende 2024) und Xbox Series X|S (28 Millionen) konnten nicht an den Erfolg der Switch anknüpfen. In Japan verkauft sich die Switch seit Jahren besser als PS5 und Xbox zusammen.
Der Markt zeigt: Spieler belohnen lieber kreative Ideen als rohe Rechenpower. Elden Ring, grafisch solide aber nicht technisch bahnbrechend, verkaufte sich 25 Millionen Mal, während Redfall mit Raytracing und 4K-Modus nach schlechten Kritiken unter 500.000 Einheiten blieb. Auch Hades (Indie, 2D-Art) erreichte über 3 Millionen Verkäufe, ohne Hardware-Hype.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Wenn Miyamoto recht behält, werden Hardware-Hersteller umdenken müssen. Statt immer stärkerer Chips könnte der Fokus auf Zugänglichkeit und Spielspaß rücken, genau das, was Nintendo seit Jahrzehnten praktiziert. Die Switch 2 setzt weiter auf einen Hybrid-Formfaktor mit stromsparendem Prozessor, nicht auf maximale Performance. Sony und Microsoft experimentieren derweil mit Cloud-Gaming und PS Plus/Game Pass, um Abos statt Hardware zu verkaufen. Die Frage ist, ob die Konkurrenz diesen Zug noch rechtzeitig abfängt. Nintendos Aktienkurs stieg nach der Switch-2-Enthüllung um 8 Prozent, während Sonys GPU-Partner AMD einen leichten Rückgang verzeichnete.