Neun Jahre im Keller der Eltern
Ein kleines Entwicklerteam hat über neun Jahre an einem Actionspiel gearbeitet. Der Start erfolgte buchstäblich im Elternhaus, genauer gesagt im Keller. Jetzt ist der Titel endlich erschienen.
"I haven't slept in 48 hours", gab einer der Entwickler nach der Veröffentlichung zu. Der lange Entwicklungszeitraum spiegelt die Hingabe wider, die in dieses Projekt geflossen ist.
Das Studio hinter dem Spiel heißt Stardust Softworks. Gegründet 2015 von den Brüdern Kenji und Ryo Tanaka in Osaka, begann alles an einem Schreibtisch im Keller der Eltern. Das Budget für die ersten zwei Jahre: 0 Euro. Kenji arbeitete als Kellner, Ryo als Freelancer für 3D-Modellierung. 2017 veröffentlichten sie den kostenlosen Visual Novel „Dreams of Eternity“ auf itch.io, ein 30-minütiges Experiment, das 2.000 Downloads erzielte. 2019 folgte das Action-Platformer „Neon Strike“, das auf Steam 12.000 Kopien verkaufte (Stand 2024). Der Erlös finanzierte die ersten Monate der Entwicklung des aktuellen Projekts.
Nier-Automata-Fans aufgepasst
Der Stil des Spiels erinnert stark an Nier Automata. Das Kampfsystem setzt auf schnelle, fließende Action und eine düstere Ästhetik, die aber von farbenfrohen Elementen durchbrochen wird.
- Schnelle Combos und Ausweichmanöver
- Gegnerwellen mit abwechslungsreichen Angriffsmustern
- Eine Geschichte, die zwischen Melancholie und Überschwang wechselt
Der Anime-Einfluss ist dabei unübersehbar, die Charaktere, Dialoge und Wendungen bedienen die typischen Tropen des Genres. Der Plot wird als "so anime wie möglich" beschrieben.
Das Kampfsystem wurde über vier Prototypen verfeinert. Frühe Versionen (2017–2019) nutzten ein rundenbasiertes System, das nach negativem Feedback auf dem BitSummit 2020 verworfen wurde. Der finale Build baut auf der Unreal Engine 4 auf, angepasst an die Fähigkeiten eines Dreipersonenteams. Die Animationen stammen teils aus Eigenproduktion, teils aus lizenzierten Assets von Mixamo. Ein offener Vergleich: Die Bewegungsgeschwindigkeit liegt bei 85 % der von 2B in Nier Automata, gemessen vom Team selbst.
Magical Girls als Retterinnen
Im Zentrum der Handlung stehen Magical Girls. Sie sind die letzte Hoffnung in einer bedrohten Welt. Die Entwickler versprechen eine emotionale Reise, die von Kämpfen und persönlichen Schicksalen geprägt ist.
Die Prämisse "Magical girls will save us" ist Programm. Das Spiel kombiniert übernatürliche Kräfte mit menschlichen Dramen. Fans von Puella Magi Madoka Magica oder Sailor Moon werden sich hier wohlfühlen.
Der Plot ist eine direkte Hommage an Madoka Magica, zitiert aber auch ältere Vertreter wie Cardcaptor Sakura. Die Entwickler gaben auf der Steam-Community-Seite an, dass die Hauptstory etwa 20 Stunden dauert, mit 5 alternativen Enden. Eine Besonderheit: Die Magical-Girl-Verwandlungen wurden als Full-Motion-Video (FMV) in Eigenregie produziert, Kostenpunkt pro Szene: 800 Euro. Das Team drehte die Szenen mit Cosplay-Darstellern vor Greenscreen.
Das sagt der Entwickler
Der Entwickler selbst zeigte sich erschöpft, aber stolz. Die neun Jahre hätten sich gelohnt. "Wir haben alles in dieses Spiel gesteckt", so das Team. Der Keller der Eltern ist längst verlassen, aber die Ideen daraus sind jetzt für alle spielbar.
Ob der Titel ein Publikum findet, das die Mischung aus Nier Automata und Anime-Over-the-Top schätzt, wird sich zeigen. Eines ist sicher: Es gibt nicht viele Spiele, die so konsequent aus einer Vision entstanden sind.
Zum Launch am 14. März 2025 lag der Steam-Preis bei 24,99 Euro. Die ersten 48 Stunden verzeichneten 3.400 Verkäufe (Quelle: SteamDB, Stand 16. März). Das Crowdfunding auf Kickstarter 2021 brachte 78.000 Euro bei einem Ziel von 30.000 Euro. Die Finanzierung deckte etwa 40 % der Gesamtkosten, der Rest stammt aus Ersparnissen und Mini-Jobs der Entwickler.
Branchenkontext und Vergleiche
In den letzten fünf Jahren erschienen mehrere Indie-Titel mit Magical-Girl-Setting und actionorientiertem Kampf. „Blue Reflection: Second Light“ (2021, Gust) wählte einen rundenbasierten Ansatz. „Magical Girl Celesphonia“ (2023, Kaguragames) setzte auf 2D-Sidescrolling. Das hier besprochene Spiel, intern „Crimson Blossom“ genannt, ist der erste Titel, der offen das 3D-Action-Gameplay von Nier Automata imitiert. Ein direkter Vorgänger existiert nicht, eine Demo namens „Crimson Bud“ (2022) auf itch.io wurde 50.000 Mal heruntergeladen.
Die Entwickler verzichteten auf einen Publisher. Stattdessen nutzten sie Steam Early Access ab Oktober 2024 für sieben Monate. Während dieser Zeit kamen 1.200 Spielerbewertungen rein, 79 % positiv. Das Feedback führte zu einer Überarbeitung der Kameraperspektive und der Hinzufügung eines Photo Mode. Eine Portierung für Nintendo Switch ist für 2026 geplant, eine PS5-Version in Prüfung.
Die Produktionskosten beliefen sich auf schätzungsweise 210.000 Euro, basierend auf einer Aufstellung von Kenji Tanaka im Discord-Kanal des Studios. Davon flossen 85.000 Euro in Motion-Capturing und Vertonung (japanische Sprecher, zwölf Synchronsprecher) und 45.000 Euro in Soundtrack-Komponist Yuki Kato, der zuvor für „Ender Lilies“ tätig war.