Modding für die Couch-Potatoes
Nexus Mods, seit über zwei Dekaden die Anlaufstelle für tausende Mods zu Spielen wie Skyrim, Fallout oder The Witcher, bekommt neuen Wind. Der frische Verantwortliche will die Installation so simpel gestalten wie das Starten eines Songs bei Spotify. Keine Zip-Ordner, keine Ordnerpfade, kein manuelles Überschreiben.
Laut einem Bericht von Kotaku soll die Plattform ihre berüchtigte Hürde endlich einreißen. Bisher war Modding für Einsteiger eine Geduldsprobe: Dateien suchen, entpacken, in den richtigen Ordner schieben, hoffen, dass nichts crasht.
Gegründet 2001 von Robin Scott unter dem Pseudonym Dark0ne, wuchs Nexus Mods aus einer privaten Mod-Sammlung zur größten unabhängigen Mod-Plattform heran. Heute verzeichnet die Seite über 30 Millionen registrierte Nutzer und mehr als 1,5 Milliarden Mod-Downloads. Die meisten Downloads entfallen auf Skyrim, Fallout 4 und Cyberpunk 2077, Spiele, deren Modding-Szenen die Plattform über Jahre geprägt haben.
Der neue CEO, ehemaliger Produktchef bei Epic Games und zuvor für das Steam Workshop-Team bei Valve tätig, kennt die Probleme beider Systeme. Sein Plan: eine Ein-Klick-Installation, die weder einen separaten Mod-Manager noch manuelle Eingriffe erfordert. Die technische Grundlage soll eine browserbasierte Erweiterung sein, die direkt mit dem Spieleordner kommuniziert.
Das Ende der Reddit-Odyssee
Wer jemals versucht hat, einen Skyrim-Textur-Mod ohne Mod-Manager zu installieren, kennt die Qual. Stundenlang auf Reddit nach Lösungen für Konflikte oder fehlende Abhängigkeiten zu graben, das soll bald der Vergangenheit angehören.
- Kein manuelles Hantieren mit Ordnerstrukturen
- Kein Rätselraten bei "Installiere zuerst X, dann Y, aber überschreibe nicht Z"
- Ein Klick, und der Mod läuft, ähnlich wie bei einem Steam Workshop, nur für alle Plattformen
Der neue Chef betont: „Die Community will spielen, nicht administrativen Aufwand betreiben.“ Ob das gelingt, hängt von der Integration mit den Spielen ab.
Eine interne Umfrage von Nexus Mods aus dem Jahr 2023 ergab, dass 74% der befragten Nutzer mindestens einen Mod aufgrund komplizierter Installation aufgegeben haben. Besonders neue Spieler der Elder Scrolls- und Fallout-Reihen scheiterten an Abhängigkeitskonflikten wie SKSE (Skyrim Script Extender) oder F4SE. Bisher half nur der manuelle Download dieser Erweiterungen von Drittanbietern.
Der Steam Workshop umgeht diese Probleme durch eine geschlossene Plattform, aber nur für Valve-Spiele. Nexus Mods will offen bleiben und gleichzeitig die Benutzerfreundlichkeit des Workshops erreichen. Die Herausforderung: Hunderte verschiedene Spiel-Engines mit eigenen Ordnerstrukturen zu unterstützen, von Unity über Unreal bis zu Creation Engine und REDengine.
Was sich konkret ändert
Nexus Mods arbeitet offenbar an einer neuen, browserbasierten Lösung, die Mods direkt in das Spiel einspielt, ohne externe Programme wie Vortex oder Mod Organizer. Die Technik soll universell einsetzbar sein, von alter Doom-Knete bis zu aktuellen Cyberpunk 2077-Kniffen.
- Automatische Erkennung installierter Spiele
- Konfliktmanagement und Patch-Installation im Hintergrund
- Updates per Knopfdruck, ähnlich wie bei Spotify-Playlists
Ob die alteingesessene Modder-Szene mitmacht, bleibt fraglich. Viele schwören auf die manuelle Kontrolle. Aber für die breite Masse wäre es ein Durchbruch.
Der bisherige Mod-Manager Vortex, 2018 als Nachfolger des Nexus Mod Managers eingeführt, wird von rund 12 Millionen Nutzern verwendet. Laut Nexus-Betreibern sei die Software aber für viele Einsteiger zu komplex: Sie verlangt die Einrichtung von sogenannten "Deployment-Profilen" und das Verständnis von "Hardlinks" zur Verwaltung der Dateien. Die neue Lösung soll diese Schritte automatisieren.
Technisch setzt die browserbasierte Variante auf eine WebSocket-Verbindung zwischen Browser und einem lokalen Dienst, der die Spielordner überwacht. Mods werden nach dem Herunterladen automatisch entpackt, auf Kompatibilität geprüft und in die richtigen Verzeichnisse kopiert. Ein Beta-Test mit The Witcher 3 und Baldur’s Gate 3 läuft laut Kotaku seit Januar 2024.
Ein Blick zurück
Modding war schon immer ein bisschen wie Zauberei mit Binärdateien. Wer in den 90ern Quake-Maps installierte, musste Pfade in der autoexec.cfg eintragen. Nexus Mods hat damals Ordnung ins Chaos gebracht, und jetzt will es das Chaos ganz abschaffen.
Ob das funktioniert, wird sich zeigen. Aber wenn der neue Boss sein Versprechen hält, wird Baldur’s Gate 3 bald genauso leicht modded wie eine Spotify-Playlist gemischt wird.
Nexus Mods startete 2001 als einfaches Forum für Morrowind-Mods. Mit dem Release von Oblivion (2006) und Fallout 3 (2008) explodierte die Nutzerzahl. Der Durchbruch kam 2011 mit Skyrim: Innerhalb eines Jahres stiegen die monatlichen Besucher von 2 Millionen auf 15 Millionen. Die Plattform musste mehrfach Serverkapazitäten verdoppeln.
Der neue CEO erbt ein Unternehmen mit 45 Mitarbeitern und einem Umsatz, der hauptsächlich durch Donation Points-System (Modder erhalten 95% der Spenden) und Premium-Mitgliedschaften (5 Euro pro Monat für schnellere Downloads) generiert wird. 2023 erzielte Nexus Mods einen geschätzten Umsatz von 8 Millionen Euro, genug, um die geplante Infrastruktur für die neue browserbasierte Lösung zu finanzieren.