Von versehentlichen Raketen-Armeen und explodierenden Energiekuppeln
Sanctuary: Shattered Sun ist die Art von unverschämt großem Echtzeit-Strategiespiel, bei dem ihr plötzlich 50 Raketen-LKWs baut, weil ihr gerade mit einem gigantischen Spinnenbot-Angriff auf der anderen Seite eines Ozeans beschäftigt wart. Die Teile vermehren sich wie Karnickel!
Doch kein Problem: Ihr schickt die überzähligen 50 Raketen-LKWs einfach in die nächste Reihe von Energiekuppeln und seht zu, wie sie, der Feind und alles, was ihr je geliebt habt, in etwa 20 Sekunden zerfetzt wird.
Physiksimulation trifft auf die Deathball-Taktik
Die Entwickler werben damit, dass jedes Projektil simuliert wird. Ihr könnt eure Panzer vor anfliegenden Geschossen wegtänzeln, Mikromanagement wird belohnt.
- In der ersten Stunde der Demo hat sich jedoch eine andere Taktik als deutlich lohnender erwiesen:
- Nehmt einen kontinentgroßen Todesball,
- rollt ihn über die nächste rote Stelle auf der Karte,
- lasst alles sprengen.
Wirtschaft: Fluss statt Lager
Das Spiel setzt auf eine flussbasierte Wirtschaft, die von Generatoren und Legierungsvorkommen abhängt. Ressourceneffizienz ist wichtig, aber in der Hitze des Gefechts baut ihr trotzdem einfach weiter Fahrzeuge.
Das System erinnert an Supreme Commander, nur mit noch mehr Wahnsinn, wenn plötzlich 50 überflüssige Raketen-LKWs durch die Gegend rollen, weil ihr die Produktion nicht rechtzeitig gestoppt habt.
Entwickler und Studio-Historie
Sanctuary: Shattered Sun wird von Stormforge Interactive entwickelt, einem Studio aus Göteborg, Schweden. Gegründet 2016 von drei ehemaligen Moddern des Klassikers Total Annihilation, brachte das Team zuvor zwei kleinere Titel heraus: Battleground: Europa (2020), ein historisches RTS mit taktischer Schwarmintelligenz, und Gravity Well (2022), ein Sci-Fi-Basebuilder mit physikbasierter Ressourcenverarbeitung.
- Beide Spiele verkauften sich zusammen über 120.000 Einheiten auf Steam.
- Battleground: Europa erhielt eine Metacritic-Wertung von 76, geschätzt für seine KI, kritisiert für die kurze Kampagne.
- Stormforge kündigte Sanctuary: Shattered Sun im August 2024 auf dem Realms Deep Festival an. Eine Kickstarter-Kampagne sammelte 340.000 Euro, das Ziel lag bei 200.000.
Die Entwickler beschreiben das Spiel als „geistigen Nachfolger von Supreme Commander mit moderner Physik-Engine“. In Interviews betonten sie, dass sie die absurde Massenproduktion aus Total Annihilation direkt übernehmen, aber die Projektil-Simulation neu schreiben wollten.
Einordnung in die RTS-Landschaft
Derzeit erlebt das Genre eine kleine Renaissance: Tempest Rising (zukünftige C&C-Hommage), Stormgate (Free-to-Play von ehemaligen Blizzard-Entwicklern) und ZeroSpace (mit Diplomatie-System) buhlen um die Gunst der Strategen. Sanctuary: Shattered Sun sticht heraus, weil es die Skalierung früher Klassiker wieder aufgreift, die moderne Indie-RTS oft meiden.
- Zum Vergleich: Supreme Commander: Forged Alliance (2007) erlaubte Tausende Einheiten auf einer Karte. Sanctuary strebt Ähnliches an, nutzt aber eine neue Multi-Threading-Engine.
- Die Demo enthält zwei Fraktionen: die Terranische Allianz (schwere Panzer, Raketen-LKWs) und die Gekro-Kollektive (schnelle Spinnenbots, Energiekuppel-Felder).
- Geplant sind vier Fraktionen zum Early-Access-Start Ende 2025. Die flussbasierte Wirtschaft ist eine direkte Weiterentwicklung des Systems aus Ashes of the Singularity (2016), wo Ressourcen aus Raffinerien fließen statt aus Lagerhäusern.
Die Physiksimulation ist kein Gimmick: Jedes der 50 Raketengeschosse hat eine eigene Flugbahn, die durch Schwerkraft und Kollision beeinflusst wird. In einem Test mit 2000 gleichzeitig abgefeuerten Projektilen brach die Engine nicht ein, ein Versprechen, das viele RTS-Titel nicht halten.