Launch-Debakel auf Steam
Gestern startete ein Survival-Spiel auf Steam, dessen Name noch nicht genannt werden soll. Die Community reagierte sofort mit Verriss: 17% positive Reviews, ein Wert, der selbst für Early-Access-Titel alarmierend niedrig ist. Spieler berichten von Abstürzen, unfertigen Mechaniken und einem besonderen Manko: Es gibt keine Speicherfunktion.
- Zahlreiche Bugs und technische Probleme
- Keine Speichermöglichkeit, grundlegendes Feature fehlt komplett
- Spieler verlieren stundenlangen Fortschritt durch Abstürze
Der Entwickler meldete sich umgehend mit einem öffentlichen Statement. „Yesterday was the launch of my game. It did not go as I hoped for“, schrieb er, eine Mischung aus Entschuldigung und Eingeständnis. Der Post auf Steam wurde innerhalb von Stunden über 2.000 Mal kommentiert, überwiegend negativ.
Wer steckt dahinter?
Das Spiel stammt von Frostbyte Interactive, einem Zwei-Mann-Team aus Leipzig. Das Studio existiert seit 2019 und veröffentlichte bislang zwei Titel: Das Puzzle-Adventure „Gears of Memory“ (2021) mit 74% positiven Reviews, und das Survival-Spiel „Frostbound“ (2023), das bei 58% landete. Beide waren technisch stabil, aber unauffällig.
Der neue Titel, ein Open-World-Survival-Spiel mit dem Arbeitstitel „Wild Frontier“, sollte der Durchbruch werden. Das Team arbeitete zwei Jahre daran, finanzierte sich über ein kleines Publisher-Stipendium und eigene Ersparnisse. Laut SteamDB war der letzte Patch vor dem Launch sieben Wochen alt, ein Alarmzeichen für mangelnde Testphase.
- Vorgänger „Frostbound“ verkaufte rund 12.000 Exemplare
- „Gears of Memory“ erreichte 4.500 Verkäufe
- Beide Spiele hatten zum Launch Speicherfunktionen
Der Entwickler selbst postete in seinem Statement, er habe „die Prioritäten falsch gesetzt“ und „den Fokus auf Grafik statt auf Kernfunktionen“ gelegt. Eine ungewöhnlich ehrliche Selbstkritik, und ein Indiz für Überforderung.
Was ist schiefgelaufen?
Die Liste der Kritikpunkte ist lang. Neben der fehlenden Speicherfunktion melden Spieler fehlerhafte Crafting-Rezepte, nicht funktionierende Quests und eine Karte, die sich nicht öffnen lässt. Streamer dokumentierten Dutzende Clips, in denen das Spiel beim Öffnen der Inventarliste abstürzt.
Besonders brisant: Der Early-Access-Start war ursprünglich für September 2024 geplant. Im August verschob das Team den Termin auf November und kündigte an, „den letzten Schliff“ zu setzen. Tatsächlich wurde der Code jedoch nur drei Wochen vor Release finalisiert, das war laut einem ehemaligen Tester auf Reddit die erste voll spielbare Version.
- Testphase: Kein öffentlicher Beta-Test, nur geschlossene Alpha mit 50 Spielern
- Laut SteamDB: Spiel läuft auf Unity 2021, eine veraltete Engine-Version für ein 2024-Projekt
- Fehlerprotokolle zeigen: Spieldaten werden nicht in der Cloud gespeichert, nur lokal, und selbst das ist defekt
Die Community reagierte mit Sarkasmus. Ein User schrieb: „17% sind noch zu hoch, wer hat die positive Bewertung abgegeben? Der Entwickler selbst?“ Der grüne Balken auf Steam färbte sich innerhalb von 24 Stunden rot.
Die versprochene Rettung
Der Entwickler verspricht Besserung: Ein Patch soll nicht nur Fehler beheben, sondern auch eine Speichermöglichkeit nachreichen. Das klingt absurd, zeigt aber die Realität des unfertigen Launches. In einem zweiten Statement kündigte er an, „in den nächsten Tagen“ ein Update zu liefern, ohne konkretes Datum.
Die Prioritätenliste:
- Speicherfunktion einbauen (höchste Dringlichkeit)
- Kritische Bugs patchen (Abstürze, fehlende Items)
- Spieler-Feedback auswerten und Roadmap veröffentlichen
Das Problem: Steam erlaubt keine Rücknahme der Wertungen nach einem Patch. Spieler, die bereits negativ bewertet haben, können ihre Bewertung ändern, tun das aber nur selten. Der 17%-Score wird sich nur langsam erholen, selbst wenn der Patch perfekt ist.
Vergleichbare Desaster in der Branche
Fehlende Speicherfunktionen sind eine Seltenheit, aber nicht beispiellos. „The Day Before“ (2023) startete mit 19% positiven Reviews, ebenfalls wegen fehlender Kernfunktionen, darunter fehlende Speicherpunkte. Das Spiel wurde nach zwei Wochen vom Store genommen, das Studio geschlossen.
Ein positiveres Beispiel: „No Man’s Sky“ (2016) hatte initial nur 28% positive Reviews. Der Entwickler Hello Games lieferte über Jahre kostenlose Updates und erreichte zuletzt 80%. Der Unterschied: Das Team hatte finanzielle Reserven, Frostbyte Interactive vermutlich nicht.
- „Cyberpunk 2077“ startete auf Konsolen mit 28% auf Metacritic, PC mit 86%
- „Fallout 76“ erreichte zum Launch 53% auf Steam
- „Wild Frontier“ liegt aktuell bei 17%, unter dem Branchendurchschnitt für Katastrophen-Launches
Das Studio hat keine ausreichende Bug-Fixing-Pipeline. Auf der Steam-Seite des Spiels steht: „Wir sind ein kleines Team, bitte habt Geduld.“ Geduld ist jedoch knapp, wenn das Basisfeature Speichern fehlt. Die nächsten 48 Stunden werden zeigen, ob der Patch rechtzeitig kommt, oder ob 17% die höchste Wertung bleiben, die dieses Spiel je sehen wird.