Digitale Distribution: Ein Gewinn für den PC-Markt
Yves Guillemot, CEO von Ubisoft, sieht im Verzicht auf physische Datenträger einen Vorteil für das PC-Gaming. Der Markt sei flexibler und effizienter geworden. Die digitale Distribution habe sich bewährt.
Ubisoft wurde 1986 von den fünf Guillemot-Brüdern in der Bretagne gegründet und begann als Händler physischer Spiele. Mit Marken wie Rayman (1995), Assassin’s Creed (2007) und Far Cry (2004) stieg der Publisher zum weltweit drittgrößten Konzern hinter Activision Blizzard und EA auf. Seit 2009 betreibt Ubisoft den eigenen Digital-Store Uplay, heute Ubisoft Connect, der 2022 mit dem Abodienst Ubisoft+ verschmolz.
Laut Geschäftsbericht 2023/24 erzielte Ubisoft rund 60% seines Umsatzes mit digitalen Spielen. Auf dem PC-Markt lag der Digitalanteil in Deutschland 2023 bei 78% (Quelle: GfK). Der stationäre Handel verliert kontinuierlich an Boden.
PlayStation ohne Discs: Kein Grund zur Sorge
Guillemot hält einen möglichen Wegfall physischer Medien bei Sony für unproblematisch. Ohne Laufwerk sinken die Herstellungskosten, was niedrigere Konsolenpreise ermögliche.
Sony hat bereits 2020 die PlayStation 5 Digital Edition ohne Laufwerk zum Preis von 399 Euro eingeführt (100 Euro günstiger als die Disc-Version). Laut Schätzungen von Ampere Analytics machte die Digital Edition 2022 rund 25% der PS5-Verkäufe aus. Microsofts Xbox Series S, eine reine Digitalkonsole, verkaufte sich in vielen Regionen besser als die Series X. Branchenanalyst Mat Piscatella von Circana berichtet, dass bei AAA-Neustarts auf Konsole der Digitalanteil bei über 70% liegt.
Ubisoft selbst hat 2023 mit Skull and Bones einen Titel exklusiv digital auf Konsolen veröffentlicht (keine Disc). Der Schritt blieb weitgehend unbemerkt, da die Verkaufszahlen schwach waren, aber nicht wegen des Formats.
Günstigere Hardware als Zugpferd
Guillemot erwartet, dass Digital-only-Modelle die Konsolenpreise senken. Spieler könnten ein Laufwerk optional kaufen oder darauf verzichten. Der PC-Markt habe diesen Weg bereits vorgemacht.
Die Herstellung einer Disc kostet etwa 1 bis 2 Euro pro Einheit, inklusive Verpackung und Logistik. Bei einer Auflage von 10 Millionen Einheiten summiert sich das auf 10 bis 20 Millionen Euro. Sony sparte bei der PS5 Digital Edition genau die Kosten des Laufwerks (ca. 100 Euro Differenz), weit mehr als die reinen Herstellungskosten. Kritiker bemängeln, dass der Preisvorteil oft nicht an die Kunden weitergegeben werde, sondern die Hersteller die Marge erhöhen. Nintendo verfolgt weiterhin ein Hybridmodell mit Cartridges, aber selbst dort steigt der Download-Anteil rasant.
Die Entwicklung beschleunigt sich
Viele Publisher setzen längst auf reine Downloads. Ubisoft vertreibt seine Titel parallel als Disc und digital. Die Aussage des CEO könnte signalisieren, dass der Konzern noch stärker in die digitale Richtung drängt.
Electronic Arts verkauft PC-Spiele seit Jahren nur noch digital. Activision Blizzard ließ 2023 für Call of Duty: Modern Warfare III auf PC die Disc-Version aus. Ubisofts eigener Store bietet regelmäßig Rabatte für Digital-Käufe, die physische Versionen oft nicht erreichen. Eine Umfrage von IDG 2024 ergab, dass 62% der deutschen Spieler digitale Käufe bevorzugen, vor allem wegen der Sofortverfügbarkeit und des geringeren Platzbedarfs.
Preisvorteil als Schlüssel
Guillemot argumentiert, dass günstigere Konsolen die Akzeptanz digitaler Modelle steigern. Ob dieser Preisvorteil an die Spieler weitergegeben wird, hängt von der Preispolitik der Hersteller ab.
Die Xbox Series S (299 Euro) hat den Game Pass-Abo-Service massiv vorangebracht (ein rein digitales Modell). Sony folgte 2023 mit der PS5 Slim Digital (449 Euro). Doch Verbraucherschützer weisen auf Nachteile hin: kein Gebrauchtkauf, kein Verleih, keine Sammlungsmöglichkeit. Laut GfK lag der physische Anteil am Konsolen-Spielemarkt in Deutschland 2023 bei 22%, immer noch ein Milliarden-Geschäft von knapp 1,2 Milliarden Euro Umsatz.