Staubfänger oder Goldschatz?
Die PlayStation 2 ist mit über 160 Millionen verkauften Exemplaren die erfolgreichste Konsole der Geschichte. Dementsprechend riesig ist die Spielebibliothek, und bei vielen von euch lagern noch etliche Titel im Regal oder auf dem Dachboden.
Was viele nicht wissen: Manche dieser verstaubten PS2-Spiele werden heute auf dem Sammlermarkt für vierstellige Summen gehandelt. Ein Check lohnt sich also.
Was macht ein PS2-Spiel wertvoll?
Nicht jeder Klassiker von damals ist heute automatisch teuer. Der Wert steigt besonders bei:
- Seltenen Auflagen, limitierte Editionen oder Spiele, die nur in geringer Stückzahl erschienen sind
- Besonderen Genres, Horror-Titel, japanische Rollenspiele oder Nischenprodukte sind stark gefragt
- Vollständigkeit, Originalverpackung, Anleitung und unbeschädigte Disc sind maßgeblich für den Preis
- Zustand, Kratzer, Gebrauchsspuren oder fehlende Teile drücken den Wert massiv
Selbst Spiele, die einst für wenige Euro in der Grabbelkiste lagen, können heute mehrere Hundert oder sogar Tausend Euro einbringen.
Drei Beispiele für vierstellige Raritäten
Rule of Rose (Punchline, 2006) erzielt heute bis 1.500 Euro. Punchline bestand aus ehemaligen Mitarbeitern von Human Entertainment, die zuvor Chulip (2002) entwickelten. Das Spiel war aufgrund von Gerüchten um Kindesmissbrauch kontrovers und wurde nur in 20.000 Exemplaren in Europa verlegt.
Kuon (FromSoftware, 2004) liegt bei rund 1.000 Euro. FromSoftware hatte davor King's Field (1994) und Eternal Ring (2000) veröffentlicht, aber Kuon war ein kommerzieller Flop mit geschätzten 30.000 verkauften Einheiten. Der japanische Horrortitel blieb eine Nische.
Futurama (Unique Development Studios, 2003) bringt bis 800 Euro. Das schwedische Studio hatte zuvor Lizenzspiele wie The Simpsons: Road Rage umgesetzt. Die PS2-Version von Futurama erschien nur in Europa und Nordamerika in kleiner Auflage, weil die Serie damals abgesetzt wurde.
Haunting Ground (Capcom, 2005) wird für 500 bis 700 Euro gehandelt. Capcoms Team unter der Leitung von Hiroshi Yamaguchi hatte zuvor Clock Tower 3 (2002) produziert. Haunting Ground gilt als geistiger Nachfolger, verkaufte sich aber mit rund 50.000 Einheiten schlecht und wurde nie wiederveröffentlicht.
Darum lohnt sich der Blick ins Regal
Der Retro-Markt boomt seit Jahren. Immer mehr Sammler und Nostalgiker suchen nach den Perlen der PS2-Ära. Die Plattform bot eine unglaubliche Vielfalt, von Blockbustern bis zu obskuren Indies (damals noch „Budget-Titel“ genannt).
Wer also noch eine alte Spielekiste auf dem Dachboden stehen hat, sollte sie nicht vorschnell entsorgen. Eine kurze Recherche auf Auktionsplattformen oder in Sammlerforen kann überraschende Ergebnisse liefern.
Warum gerade jetzt? Der Markt im Jahr 2025
Die PS2 erreichte 2004 ihren Verkaufshöhepunkt. Viele der heute teuren Spiele stammen aus dieser Phase. Der Retro-Markt für PS2-Titel wächst seit 2020 rasant, getrieben von Sammlern, die in den 2000ern jung waren. Plattformen wie eBay, Catawiki und spezialisierte Foren (retroplace, kleinanzeigen) verzeichnen steigende Angebote. Laut Preisarchiv von PriceCharting stiegen die Durchschnittspreise für seltene PS2-Spiele zwischen 2020 und 2025 um über 150 Prozent.
Zum Vergleich: PS1-Raritäten wie Suikoden II haben ihren Zenit erreicht. PS2-Spiele gelten als nächstes großes Sammelgebiet, da die Discs noch gut erhalten sind und eine riesige Bibliothek mit vielen Nischentiteln existiert. Faktoren wie fehlende Digitalversionen (viele PS2-Klassiker sind nie auf PS4/PS5 erschienen) treiben die Nachfrage zusätzlich.
Gezielte Suche lohnt sich: Wer Spiele der Genres Survival-Horror, JRPG oder japanische Adventure besitzt, sollte besonders genau hinschauen. Die Preise für Sporttitel oder Shooter bleiben niedrig, aber selbst unbekannte Namen wie Silpheed: The Lost Planet oder Gitaroo Man können Überraschungen bereithalten.
Vorsicht vor falschen Hoffnungen
Nicht jedes PS2-Spiel ist automatisch wertvoll. Massenware wie Sportspiele oder Open-World-Blockbuster bleiben auch heute erschwinglich. Nur echte Raritäten erzielen vierstellige Summen.
Doch die Mühe des Nachschauens ist gering, und der mögliche Fund umso überraschender. Der Retro-Markt ist unberechenbar, aber für Sammler und Verkäufer gleichermaßen spannend.