Apocalypse tot? Das große Fragezeichen
Der Cliffhanger aus X-Men '97 Staffel 2, Folge 7 schickt Schockwellen durch die Fangemeinde. Apocalypse, einer der gefährlichsten Mutanten-Schurken, wird von einer gewaltigen Energieattacke getroffen und scheint zu verglühen. Doch die Serie lässt bewusst Raum für Zweifel.
- Keine Leiche, kein Krater mit Asche, nur eine leere Einstellung.
- Die X-Men atmen auf, aber der Zuschauer bleibt skeptisch.
- Marvels Gesetz: Wer nicht tot gezeigt wird, lebt weiter.
Warum der Tod nicht echt sein kann
Apocalypse ist keine gewöhnliche Bedrohung. Seine Kräfte basieren auf uralter Mutanten-Biologie, Zellregeneration und Zeitmanipulation. In den Comics überlebte er schon Atomexplosionen und Dimensionsrisse. Ein Beispiel: Im Crossover „Age of Apocalypse" (1995) wurde er von Legion getötet, nur um in einer alternativen Timeline weiter zu existieren.
Die Serie spielt im Retro-Stil der 90er-Jahre-Zeichentrickserie und bedient sich deren Erzähltricks. Damals gab es selten endgültige Tode, besonders bei Top-Schurken.
- In der Comic-Vorlage starb Apocalypse mehrfach, kehrte aber jedes Mal zurück.
- Sein bekanntester „Tod" durch Onslaught (1996) hielt nur wenige Ausgaben.
- X-Men '97 zitiert oft genau diese Hefte.
Die Episode selbst enthält einen weiteren Hinweis: Nach dem vermeintlichen Tod erscheint eine silberne Wolke am Horizont, visuell identisch mit der Ankunft des Celestialen „The Dreaming Celestial" aus den Comics von 1998. Das könnte Apocalypses Rückkehr vorbereiten.
Was Polygon zur Szene sagt
Die Recherche von Polygon.com bestätigt die Zweifel: Das Ende sei bewusst mehrdeutig gehalten. Die Macher um Beau DeMayo lassen die Tür für ein Comeback weit offen. Ein schneller Abgang wäre für einen der ikonischsten X-Men-Bösewichte auch unwürdig.
Polygon weist darauf hin, dass die Episode keine eindeutige Todesbestätigung liefert. Stattdessen wird die letzte Minute genutzt, um eine neue Bedrohung anzudeuten. Der Redakteur Austen Goslin schreibt wörtlich: „Das Fehlen einer Leiche ist in Marvel-Animation kein Versehen, es ist eine Einladung."
Studio und Macher: Wer produziert X-Men '97?
Hinter der Serie steht Marvel Animation, ein Studio unter dem Disney-Konzern. Showrunner ist Beau DeMayo, der zuvor als Autor an „The Witcher: Nightmare of the Wolf" (2021) und „Moon Knight" (2022) für Marvel Studios gearbeitet hat. DeMayo wurde im März 2024, einen Monat vor Start der ersten Staffel, von Marvel entlassen, offizielle Gründe wurden nicht genannt. Die zweite Staffel wurde bereits vor der Ausstrahlung der ersten bestellt und liegt nun in den Händen des Teams um den leitenden Regisseur Chase Conley.
Das Animationsstudio Titmouse („Big Mouth", „Star Trek: Lower Decks") übernahm die Produktion der einzelnen Episoden. Die Firma hat Erfahrung mit Retro-Ästhetik: Sie produzierte bereits die Netflix-Serie „The Cuphead Show!" im Stil der 1930er Jahre.
Frühere Releases: Die Rückkehr einer Legende
X-Men: The Animated Series lief von 1992 bis 1997 und umfasste 76 Episoden in fünf Staffeln. Die Serie erreichte in den USA wöchentlich bis zu 10 Millionen Zuschauer und gilt als einer der erfolgreichsten Zeichentrick-Adaptionen von Marvel. Ein geplanter sechster Staffel-Start wurde nie realisiert, bis Disney 2021 eine Fortsetzung ankündigte.
X-Men '97 startete am 20. März 2024 auf Disney+ mit zwei Folgen. Laut Nielsen erreichte die Serie in den ersten fünf Tagen 13,6 Millionen Streams, damals der beste Start einer Animationsserie auf der Plattform. Der Soundtrack von John Campbell und Jared Lee Gosnell griff direkt Melodien der Originalserie auf, neu eingespielt mit einem 40-köpfigen Orchester.
Die zweite Staffel wird voraussichtlich zehn Episoden umfassen. Ein Teaser aus dem Mai 2024 zeigt Material, das auf den Handlungsbogen „Age of Apocalypse" anspielt, die 1995er Comic-Reihe, in der Apocalypse die Erde erobert.
Branchenkontext: Marvels Animationsstrategie
X-Men '97 ist Teil einer Neuausrichtung von Marvels Animationssparte. Seit 2021 produziert das Studio parallel mehrere Serien: „What If...?" (2021, 2 Staffeln) im CGI-Stil, „Spidey and His Amazing Friends" (2021) für Vorschulkinder und „Marvel Zombies" (geplant 2025). Während „What If...?" auf das Marvel Cinematic Universe aufbaut, bedient X-Men '97 eine Nische: Nostalgie für die 90er-Jahre-Fans, die mit den Live-Action-Filmen nicht erreicht werden.
Der Erfolg der Serie fällt in eine Zeit, in der Disney+ insgesamt an Abonnenten verliert (Stand Q3 2024: minus 7% auf 153,6 Millionen). Animationsserien mit etablierten Marken dienen als Stabilisator, ähnlich wie „Star Wars: The Clone Wars" (2008–2020) für Star Wars. X-Men '97 kostete pro Folge schätzungsweise 3–5 Millionen Dollar, verglichen mit bis zu 25 Millionen für eine Live-Action-Serie wie „Secret Invasion" (2023). Das macht sie zu einer kosteneffizienten Content-Quelle.
Fazit für Fans
Wer auf eine klare Antwort hofft, wird enttäuscht. Apocalypse ist vermutlich nicht wirklich tot, oder zumindest nicht für immer. Die verbleibenden Folgen von Staffel 2 müssen zeigen, ob der Titan zurückkehrt.
Bis dahin gilt: Ein Tod ohne Leiche ist in Marvel kein Tod. EndeNews.de bleibt dran. Die kommende Folge 8 trägt den Titel „Tolerance is Extinction", eine direkte Referenz auf das Comic-Event von 2015, in dem Apocalypse nach einem Millennium wiederaufersteht.