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Zwischen Goldrausch und Frust-Falle: Warum Dungeonborne süchtig macht, aber an sich selbst scheitert
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Zwischen Goldrausch und Frust-Falle: Warum Dungeonborne süchtig macht, aber an sich selbst scheitert

Dungeonborne versucht, das Extraction-Genre mit First-Person-Dungeon-Crawler-Elementen zu revolutionieren. Doch hinter der glänzenden Fassade aus Loot und Nervenkitzel lauern Balancing-Probleme, die den Spielspaß immer wieder ausbremsen.

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Dennis Adam
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Das Genre der Extraction-Spiele ist ein hartes Pflaster. Seit Escape from Tarkov das Prinzip des “Rein, Looten, Überleben, Raus” salonfähig gemacht hat, versuchen viele Entwickler, das Rezept auf andere Settings zu übertragen. Mit Dungeonborne wagt sich ein Titel in die düstere Fantasy-Welt, die stark an Dark and Darker erinnert. Doch kann das Spiel auf eigenen Beinen stehen, oder ist es nur ein weiterer Abklatsch, der im Schatten der Konkurrenz verhungert?

Die Atmosphäre: Wenn die Dunkelheit zubeißt

Was man Dungeonborne nicht absprechen kann, ist seine visuelle und auditive Wucht. Wenn man als einsamer Krieger oder flinker Schurke durch die feuchten, schlecht beleuchteten Gänge der Dungeons schleicht, ist das Sound-Design ein entscheidender Faktor. Jeder Schritt auf Stein, jedes Klirren der Rüstung und das ferne Grollen eines Monsters erzeugen eine Anspannung, die man in kaum einem anderen aktuellen Titel findet. Die Unreal Engine 5 leistet hier ganze Arbeit; die Lichteffekte, wenn man seine Fackel hebt, sind exzellent und tragen massiv zur Immersion bei.

Das Gameplay: Taktik oder Button-Mashing?

Spielerisch setzt Dungeonborne auf eine Mischung aus First-Person-Combat und taktischem Ressourcenmanagement. Das Klassensystem ist dabei das Herzstück. Ob man nun als Cryomancer Gegner einfriert oder als Fighter den direkten Schlagabtausch sucht, fühlt sich zunächst belohnend an. Besonders das Kampfsystem ist deutlich flüssiger als bei vielen Konkurrenten – es gibt ein spürbares Feedback bei Treffern, und das Blocken sowie Parieren erfordert echtes Timing.

Doch hier beginnt auch die erste große Kritik: Das Balancing. In meinen Testrunden stieß ich immer wieder auf Klassen-Kombinationen, die sich schlichtweg “kaputt” anfühlten. Wenn ein gut ausgerüsteter Spieler mit einer übermächtigen Skill-Rotation den Raum betritt, ist der Kampf oft vorbei, bevor man überhaupt reagieren kann. Das ist in einem Extraction-Spiel, in dem man bei jedem Tod seine mühsam gesammelte Ausrüstung verliert, extrem frustrierend. Es fehlt an einer fairen “Matchmaking-Instanz”, die sicherstellt, dass Neulinge nicht sofort als Futter für Veteranen in High-End-Gear dienen.

Die “Sweat”-Problematik

Ein großes Problem für die Langlebigkeit von Dungeonborne ist die Einstiegshürde. Das Spiel erklärt einem die Mechaniken nur oberflächlich. Wer nicht bereit ist, hunderte Stunden zu investieren oder sich durch Wiki-Seiten zu graben, wird gnadenlos abgestraft. Die “Sweats” – Spieler, die jede Ecke der Karte auswendig kennen und das Movement-System bis zur Perfektion ausgereizt haben – dominieren die Lobbys. Das nimmt dem Spiel den Reiz des Entdeckens und verwandelt es in eine reine Effizienz-Maschine. Wer nicht mit dem Meta-Build spielt, verliert. Punkt.

Technik und Fortschritt

Technisch ist Dungeonborne ein zweischneidiges Schwert. Während die Grafik überzeugt, lassen die Server-Stabilität und die Latenzzeiten oft zu wünschen übrig. In einem Spiel, in dem ein einziger Lagschub den Verlust von zwei Stunden Loot bedeuten kann, ist das inakzeptabel. Auch das Fortschrittssystem wirkt aktuell noch etwas dünn. Man sammelt Gold, man kauft besseres Gear, man verliert es wieder. Der Loop ist klassisch, aber es fehlt an langfristigen Zielen oder einer tieferen Lore, die einen auch nach der zehnten Runde noch motiviert, den Dungeon zu betreten.

Fazit: Ein Rohdiamant mit Ecken und Kanten

Dungeonborne ist kein schlechtes Spiel. Im Gegenteil: Es bietet Momente von purer Euphorie, wenn man mit vollen Taschen kurz vor dem rettenden Portal steht und im Hintergrund die Schritte eines Gegners hört. Es ist ein Spiel für Adrenalin-Junkies, die Frustresistenz mitbringen.

Doch für eine dauerhafte Empfehlung reicht es aktuell noch nicht. Die Entwickler müssen dringend am Balancing der Klassen arbeiten und Wege finden, das Matchmaking so zu gestalten, dass auch Gelegenheitsspieler eine faire Chance haben, ohne direkt in der ersten Minute “gecampt” zu werden. Wer das Genre liebt und über technische Macken hinwegsehen kann, findet hier ein spannendes, wenn auch unbarmherziges Abenteuer. Alle anderen sollten vielleicht noch ein paar Content-Updates abwarten, bis die gröbsten Kanten abgeschliffen sind.

Dungeonborne hat das Potenzial, ein Gigant zu werden – aber aktuell stolpert es noch über seine eigenen Ambitionen.

7.2
/10
GUT

+ PRO

  • +Extrem atmosphärisches Dungeon-Design mit dichtem Sound-Design.
  • +Das Klassensystem bietet taktische Tiefe und individuelle Spielstile.
  • +Hoher Adrenalin-Faktor durch das 'High Risk, High Reward'-Prinzip.

- CONTRA

  • -Massives Balancing-Problem bei bestimmten Klassen-Kombinationen.
  • -Die Einstiegshürde für neue Spieler ist durch erfahrene 'Sweats' extrem hoch.
  • -Technisches Feintuning und Server-Stabilität benötigen dringend Nachbesserung.

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