Necesse: Wenn Terraria und RimWorld ein Kind bekommen – und es verdammt süchtig macht
Necesse ist eine faszinierende Mischung aus Sandbox-Survival und komplexem Siedlungsmanagement, die zwar grafisch schlicht bleibt, aber spielerisch eine enorme Tiefe bietet. Ein Pflichtkauf für Fans von prozedural generierten Welten.
Es gibt diese Spiele, bei denen man sich hinsetzt, „nur kurz“ etwas bauen will und plötzlich feststellt, dass es draußen hell geworden ist. Necesse ist genau so ein Spiel. Als ich das erste Mal in der Welt von Entwickler Mads Skovgaard landete, dachte ich: „Oh, noch ein 2D-Sandbox-Spiel im Pixel-Look. Brauchen wir das wirklich?“ Die Antwort lautet: Ja, absolut.
Auf den ersten Blick wirkt Necesse wie ein Klon von Terraria. Man hackt Bäume, baut Wände, bekämpft Monster und sucht nach Erzen. Doch wer hier nur eine Kopie erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt. Der entscheidende Twist, der Necesse von seinen Genre-Kollegen abhebt, ist das Siedlungs-Management. Während man in anderen Spielen oft alleine durch die Welt zieht und alles selbst erledigen muss, baut man hier eine echte Gemeinschaft auf.
Das Herzstück des Spiels ist das Rekrutieren von NPCs. Diese Siedler sind keine bloßen Dekorationsobjekte, sondern echte Arbeitskräfte. Sobald man ihnen Betten und eine gewisse Infrastruktur zur Verfügung stellt, kann man ihnen Aufgaben zuweisen: „Du erntest das Getreide“, „Du braust Tränke“, „Du bewachst das Lager“. Dieses System erinnert stark an RimWorld, nur eben in einer zugänglicheren 2D-Perspektive. Es ist ein befriedigendes Gefühl, wenn man nach einem langen Ausflug in einen gefährlichen Dungeon in seine Siedlung zurückkehrt und feststellt, dass die Vorratskammern dank der eigenen Arbeiter voll sind.
Das Kampfsystem ist dabei deutlich actionreicher, als man bei dieser Grafik vermuten würde. Die Bosskämpfe sind fordernd, erfordern Taktik und – besonders im Koop-Modus – eine gute Absprache. Hier glänzt Necesse durch eine enorme Vielfalt an Ausrüstung. Ob Fernkämpfer, Magier oder Nahkämpfer: Die Charakterentwicklung fühlt sich belohnend an. Man spürt den Fortschritt, wenn man nach dem zehnten Versuch endlich den Boss legt, der einen zuvor mit zwei Schlägen ins Jenseits befördert hat.
Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Kritisch muss man den Grafikstil betrachten. Während die Pixel-Art funktional ist und für eine gute Übersicht sorgt, wirkt sie in manchen Biomen etwas lieblos und generisch. Es fehlt der visuelle Charme, den ein Stardew Valley oder ein Terraria durch ihre Detailverliebtheit versprühen. Manchmal wirkt die Welt einfach ein wenig „leer“, auch wenn sie prozedural generiert ist.
Ein weiterer Punkt, der für Frust sorgen kann, ist die Lernkurve bei der Automatisierung. Das Spiel erklärt einem nicht alles bis ins kleinste Detail. Wer sich nicht in die Menüs der Siedler-Verwaltung einarbeitet, wird schnell merken, dass seine NPCs eher im Weg stehen, als produktiv zu sein. Das „Logistik-System“ ist mächtig, aber man muss bereit sein, sich ein wenig hineinzufuchsen. Für Gelegenheitsspieler, die einfach nur entspannt bauen wollen, könnte das zu trocken sein.
Dennoch: Der Suchtfaktor ist enorm. Die Welt von Necesse ist riesig und bietet durch die verschiedenen Inseln und prozeduralen Dungeons genug Content für hunderte Stunden. Besonders im Multiplayer entfaltet das Spiel sein wahres Potenzial. Wenn man sich mit Freunden abspricht, wer welche Rolle in der Siedlung übernimmt und wer die nächste Expedition anführt, dann vergisst man schnell die grafischen Schwächen.
Abschließend lässt sich sagen: Necesse ist ein Triumph des Gameplays über die Optik. Es nimmt die besten Elemente aus Survival-Klassikern und verbindet sie mit einem Siedlungs-Management, das süchtig macht. Wer über den etwas biederen Grafikstil hinwegsehen kann und gerne optimiert, baut und kämpft, wird hier für einen fairen Preis extrem lange beschäftigt sein. Es ist kein Spiel, das das Rad neu erfindet, aber es lässt die Räder, die es nutzt, verdammt rund laufen.
Für mich ist Necesse eine der positiven Überraschungen des Jahres 2025. Es ist ein Spiel, das man nicht wegen der Grafik spielt, sondern wegen des Gefühls, etwas Großes aufgebaut zu haben – Stein für Stein, Siedler für Siedler. Wer auf der Suche nach dem nächsten Zeitfresser ist, sollte hier definitiv zugreifen.
+ PRO
- +Extrem motivierender Loop aus Erkundung, Kampf und Siedlungsbau
- +Das Siedler-System nimmt einem lästige Routinearbeit ab
- +Enormer Umfang an Bossen, Biomen und Fortschrittsmöglichkeiten
- CONTRA
- -Grafikstil ist Geschmackssache und wirkt teils etwas generisch
- -Einstiegshürde bei der Automatisierung kann für Neulinge frustrierend sein
FAZIT
Eine brillante Mischung aus Terraria und RimWorld mit enormem Umfang und motivierender Siedlungs-Verwaltung, nur der Grafikstil ist Geschmackssache.
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