Directive 8020: Ein verlorener Funke im Weltraum-Horror
Das neue Sci-Fi-Adventure von Supermassive Games versucht, den cineastischen Horror im Stil von Alien einzufangen, scheitert jedoch an der technischen Umsetzung.
Atmosphäre und Präsentation
Directive 8020 setzt auf den klassischen “Survival-Horror im All”-Stil. Die Beleuchtung der verlassenen Station wirkt durch den Einsatz von volumetrischem Nebel und tiefen Schatten oft sehr bedrohlich.
Leider stören diese optischen Reize die Performance. Auf der PlayStation 5 sackt die Bildrate in hektischen Verfolgungsszenen spürbar ab.
Mechaniken und Gameplay
Das Spiel folgt dem bewährten Rezept von The Dark Pictures Anthology. Spieler verbringen viel Zeit damit, Gegenstände in der Umgebung zu untersuchen oder Dialoge durch Auswahlmenüs zu steuern.
Die Steuerung fühlt sich hölzern an. Oft bleiben die Spielfiguren an unsichtbaren Kanten hängen, während man versucht, einen Korridor zu durchqueren.
Technische Stolpersteine
Die technische Basis von Directive 8020 hinterlässt einen unfertigen Eindruck. Während die Charaktermodelle in Nahaufnahmen detailliert erscheinen, wirken die Bewegungsabläufe abseits der geskripteten Sequenzen hölzern und unnatürlich.
Besonders störend ist der sogenannte „Ghosting-Effekt“ an den Rändern von Objekten bei schnellen Bewegungen. Wer auf eine flüssige Framerate angewiesen ist, wird bei diesem Titel schnell frustriert.
Entscheidungsvielfalt
Das System der Konsequenzen ist ein heller Punkt in der sonst düsteren Erfahrung. Eine falsch gewählte Antwort im Dialog führt oft unweigerlich zum vorzeitigen Tod eines Crewmitglieds, was den Wiederspielwert erhöht.
Dennoch fühlen sich einige Tode unfair an. Spieler werden manchmal ohne Vorwarnung durch ein ungenaues Quick-Time-Event aus dem Spiel geworfen.
Fazit zur Immersion
Die Soundkulisse ist das stärkste Werkzeug des Titels. Das Quietschen von Metallplatten und das entfernte Grollen der Triebwerke erzeugen eine dichte Stimmung.
Die ständigen Bugs ziehen den Spieler jedoch immer wieder aus der Welt. Directive 8020 hinterlässt den Eindruck eines Produkts, das drei weitere Monate in der Qualitätssicherung benötigt hätte.
+ PRO
- +Die Lichteffekte der Taschenlampe erzeugen in dunklen Korridoren ein beklemmendes Gefühl
- +Lashana Lynch liefert als Hauptdarstellerin eine überzeugende schauspielerische Leistung
- +Das Sounddesign der Raumstation Cassiopeia nutzt metallische Hall-Effekte für echte Gruselmomente
- +Die Quick-Time-Events sind präzise getaktet und erfordern echtes Reaktionsvermögen
- +Verzweigte Entscheidungsbäume führen tatsächlich zu deutlich unterschiedlichen Schicksalen der Crew
- CONTRA
- -Regelmäßige Frame-Einbrüche unter 20 FPS zerstören die cineastische Immersion bei schnellen Kameraschwenks
- -Die Kollisionsabfrage lässt Spielfiguren durch geschlossene Türen in den Raum gleiten
- -Textur-Pop-ins treten bei jedem Wechsel in einen neuen Sektor der Station auf
- -Das Inventar-Menü reagiert auf Eingaben am PC mit einer Verzögerung von knapp einer Sekunde
FAZIT
Trotz starker schauspielerischer Vorlagen verhindern technische Mängel und ein schwaches Pacing den erhofften Sci-Fi-Horror-Erfolg.
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