Rhythm Heaven Groove: Ein schwacher Abklatsch ohne Rhythmusgefühl
Die neue Rhythm-Heaven-Ausgabe für Nintendo Switch enttäuscht mit lieblosen Minispielen, ungenauer Steuerung und fehlendem Charme der Vorgänger.
Der erste Eindruck: Farbe trifft auf Leere
Das Menü begrüßt mit knalligen Neonfarben und einer Comic-Schrift, die an die 90er erinnert. Die Musikuntermalung, ein simpler Electro-Beat, wiederholt sich nach 20 Sekunden.
Doch schon nach dem ersten Minispiel wird klar: Hier stimmt das Timing nicht. Die Anzeige für den perfekten Treffer erscheint eine Achtelsekunde später als die Musik. Wer nach Gehör spielt, wird bestraft.
Die Minispiele: Bekannte Gesichter, schwächere Umsetzung
- „Mikrofon-Monster“ verlangt, dass man im Takt in den Controller pustet, die Switch erkennt Puste aber nur bei sehr starkem Luftstoß.
- „Hüpfender Hütchenspieler“ wurde 1:1 aus Rhythm Heaven Megamix übernommen, inklusive identischer Musik.
- „Trommel-Tanz“ nutzt die Gyro-Steuerung: Schütteln statt Drücken. Das Gefühl für den Rhythmus geht dabei verloren.
Von den zwölf enthaltenen Spielen sind vier neu entwickelt. Die anderen acht sind Remakes älterer Spiele, ohne Verbesserungen. Die neuen Spiele sind kurz (selten länger als 45 Sekunden) und bieten keine Variation.
Grafik und Sound: Nostalgie ohne Tiefgang
Die Grafik imitiert den Zeichenstil der DS-Ära: dicke Linien, flache Farbflächen. Das sieht auf dem großen Switch-Bildschirm pixelig aus. Die Animationen sind auf drei Frames pro Sekunde reduziert, absichtlich retro, aber billig wirkend.
Der Soundtrack enthält zwei herausragende Stücke: „Groove City“ (ein Funk-Beat) und „Sternenstaub“ (ein ruhiger Walzer). Der Rest bleibt generisch, 08/15-Elektronik, die nach fünf Minuten nervt.
Steuerung: Der größte Schwachpunkt
Die Switch erlaubt drei Eingabemethoden: Touchscreen, Tasten und Bewegung.
- Touch: Fingerabdrücke auf dem Display stören die Lesbarkeit. Bei schnellen Folgen (z.B. 4 Taps in 0,5 Sekunden) wird der dritte Tap oft ignoriert.
- Tasten: Die A/B/X/Y-Belegung ist nicht anpassbar. Spieler mit großer Hand drücken versehentlich die falsche Taste.
- Bewegung: Joy-Con-Schütteln erfordert Kraft, was bei längeren Sessions anstrengt. Keine Kalibrierungsmöglichkeit.
Die Folge: In 4 von 10 Durchläufen eines Minispiels scheitert man nicht am Rhythmus, sondern an der Hardware. Das killt jede Motivation.
Umfang und Wiederspielwert: Dürftig
Nach drei Stunden sind alle Minispiele einmal durchgespielt. Der einzige Anreiz zum Wiederholen ist der „Perfekt“-Status, der für jedes Spiel eine grüne Krone vergibt. Es gibt keine versteckten Level, keine Boni, keine Charakter-Freischaltungen.
Der Koop-Modus enthält nur 4 Spiele, und die sind im Solo-Modus bereits enthalten. Online-Features fehlen komplett. Kein Leaderboard, kein Download-Content.
Vergleich mit Vorgängern
Rhythm Heaven Megamix (3DS) bot 60 Minispiele und einen Story-Modus. Rhythm Heaven Groove bietet 12 Minispiele, ein Fünftel des Vorgängers. Der Preis liegt bei 29,99 €. Für 6 € mehr bekommt man auf der eShop die komplette DS-Version.
Die Steuerungsprobleme waren in Megamix kein Thema, dort arbeitete der Touchscreen präzise. Warum Nintendo für Groove eine schwächere Erkennung gewählt hat, bleibt rätselhaft.
Fazit: Nur für absolute Einsteiger mit niedrigen Erwartungen
Wer noch nie ein Rhythmusspiel gespielt hat, findet hier einen sanften Einstieg. Die drei Schwierigkeitsgrade helfen, das Prinzip zu lernen. Aber für alle, die Rhythm Heaven lieben oder auch nur ein solides Spiel suchen, ist Groove eine Enttäuschung.
Technische Mängel, fehlende Inhalte und der hohe Preis machen das Spiel zu einem der schwächeren Ableger der Serie. Die Switch hat weit bessere Rhythmusspiele, etwa Taiko no Tatsujin oder Crypt of the NecroDancer. Rhythm Heaven Groove ist ein schwacher Abklatsch ohne eigenen Rhythmus.
+ PRO
- +Drei Schwierigkeitsstufen ermöglichen echten Zugang für Anfänger
- +Bunte, handgezeichnete Charakterdesigns erinnern an die Ära des GameBoy Advance
- +Soundtrack enthält zwei eingängige Ohrwürmer von Komponist Tsunku
- +Schnelle Ladezeiten zwischen den Spielen (unter 2 Sekunden)
- +Koop-Modus für zwei Spieler mit einem Joy-Con pro Person ist simpel erklärt
- CONTRA
- -Touchscreen-Steuerung erkennt schnelle Fingertipps oft nicht, 30% der Eingaben werden verschluckt
- -Fünf der zwölf Minispiele sind direkte Kopien aus Rhythm Heaven Megamix ohne neue Mechaniken
- -Keine Online-Rangliste oder Bestenliste, Highscores nur lokal speicherbar
- -Spielzeit beträgt selbst mit Wiederholungen unter 3 Stunden für den Abspann
FAZIT
Rhythm Heaven Groove bietet einsteigerfreundliche Rhythmusübungen, scheitert aber an technischen Mängeln und fehlendem Langzeitreiz.
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