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Stormgate: Der ersehnte RTS-Messias oder nur ein Echo vergangener Tage?
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Stormgate: Der ersehnte RTS-Messias oder nur ein Echo vergangener Tage?

Frost Giant Studios wollte mit Stormgate das goldene Zeitalter der Echtzeit-Strategie zurückbringen. Doch zwischen nostalgischem Gameplay und technischer Ernüchterung stellt sich die Frage: Reicht das Erbe von StarCraft heute noch aus?

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Dennis Adam
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Als Frost Giant Studios – ein Team, das sich aus ehemaligen Blizzard-Veteranen zusammensetzt – Stormgate ankündigte, waren die Erwartungen astronomisch. Man sprach vom „nächsten großen RTS“, vom spirituellen Nachfolger von StarCraft II. Nun, da Stormgate im Early Access ist, stellt sich die bittere, aber notwendige Frage: Reicht es aus, das Rad einfach nur neu zu polieren, anstatt es neu zu erfinden?

Das Erste, was beim Spielen von Stormgate auffällt, ist das „Gefühl“. Wenn man eine Einheit anklickt, sie bewegt und den ersten Befehl gibt, spürt man sofort die jahrelange Erfahrung der Entwickler. Die Steuerung ist knackig, das Pathfinding – eine der größten Hürden im Genre – funktioniert tadellos und die Reaktionszeit ist exzellent. Wer StarCraft II oder Warcraft III geliebt hat, wird sich hier innerhalb von Sekunden wie zu Hause fühlen. Das ist einerseits ein riesiges Kompliment, andererseits aber auch das größte Problem des Spiels.

Denn Stormgate spielt sich wie ein „Best-of“ der letzten 20 Jahre, ohne dabei eine eigene, mutige Identität zu entwickeln. Die drei Fraktionen – die technologisch versierten Vanguard, die dämonischen Infernals und die mysteriösen Celestials – fühlen sich in ihren Grundmechaniken bekannt an. Zwar gibt es interessante Kniffe, wie das Ressourcen-Management oder die „Creep-Camps“ auf der Karte, die stark an Warcraft III erinnern, aber der „Wow-Effekt“ bleibt aus.

Ein massiver Kritikpunkt ist die visuelle Präsentation. Frost Giant setzt auf die Unreal Engine 5, doch das Ergebnis wirkt auf dem Bildschirm seltsam steril. Die Einheitenmodelle wirken fast schon comicartig überzeichnet, was in Kombination mit den eher flachen Texturen der Umgebung zu einem Look führt, der eher an ein Mobile-Game als an einen modernen PC-Titel erinnert. In einer Ära, in der atmosphärische Dichte und visuelle Klarheit Hand in Hand gehen sollten, wirkt Stormgate optisch leider nicht zeitgemäß.

Besonders enttäuschend ist die Kampagne. Die Geschichte um den Kampf zwischen Menschen und Dämonen in einer postapokalyptischen Erde ist so generisch, dass man sie nach einer Stunde wieder vergessen hat. Die Dialoge sind hölzern, die Zwischensequenzen wirken steif und die Missionsdesigns folgen oft dem klassischen Schema: „Baue Basis, zerstöre Gegner, beschütze Objekt X“. Hier hätte man sich mehr Mut zur Innovation gewünscht, anstatt nur die alten Blizzard-Formeln abzuarbeiten.

Wo Stormgate jedoch glänzt, ist die Zugänglichkeit. Das „BuddyBot“-System ist eine geniale Idee. Es erlaubt Spielern, einen KI-Helfer zu aktivieren, der sich um die Basisverwaltung kümmert, während man sich auf die Einheitensteuerung konzentriert. Das nimmt dem Genre den berüchtigten „Stressfaktor“ und macht es für Neulinge endlich einladend. Auch der Koop-Modus, in dem man gemeinsam mit Freunden gegen KI-Wellen antritt, macht bereits jetzt viel Spaß und ist wohl das Herzstück des Spiels.

Das Balancing ist zum jetzigen Zeitpunkt – wie bei einem Early-Access-Titel zu erwarten – noch nicht auf dem Niveau eines E-Sports-Titels. Manche Einheitenkombinationen fühlen sich übermächtig an, während andere Fraktionen in bestimmten Phasen des Spiels kaum eine Antwort auf den Gegner haben. Aber: Das Fundament steht. Die Entwickler hören auf die Community und liefern regelmäßig Updates.

Fazit: Stormgate ist kein schlechtes Spiel. Es ist ein handwerklich solides, faires und technisch stabiles Echtzeit-Strategiespiel. Aber es ist eben auch ein „sicheres“ Spiel. Es wagt nicht, die Grenzen des Genres zu sprengen. Wer einfach nur ein neues RTS sucht, das sich wie die alten Klassiker anfühlt, wird hier glücklich werden. Wer jedoch die nächste große Evolution des Genres erwartet hat, wird enttäuscht sein. Stormgate ist aktuell ein nostalgischer Rückblick, verpackt in ein modernes Service-Modell. Ob daraus noch ein Meilenstein wird, hängt davon ab, ob Frost Giant in den kommenden Monaten den Mut aufbringt, das Spiel aus dem Schatten seiner Vorbilder zu führen. Aktuell ist es ein solider Zeitvertreib, aber noch kein neuer König des Genres.

6.8
/10
OKAY

+ PRO

  • +Extrem flüssiges, reaktionsschnelles Gameplay, das sich sofort vertraut anfühlt.
  • +Hervorragendes UI-Design und intuitive Steuerung für Einsteiger und Profis.
  • +Innovatives 'BuddyBot'-System, das den Einstieg in das komplexe Genre massiv erleichtert.

- CONTRA

  • -Grafisch wirkt das Spiel trotz Unreal Engine 5 oft wie ein Titel von vor zehn Jahren.
  • -Die Kampagne ist erzählerisch blass und leidet unter einer generischen Sci-Fi-Prämisse.
  • -Das Balancing und der Umfang zum Early-Access-Start wirken noch sehr dünn.

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